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15.03.2023

Frauenpower in der Mobilität - Teil 1

Männer prägen nach wie vor stark diesen Bereich. Dennoch haben sich ­inzwischen einige Frauen einen Namen ­gemacht. Delphine Morlier im Porträt.
15. März 2023

Seit zweieinhalb Jahren leitet Delphine Morlier die Sektion Mobilität im Bundesamt für ­Ener­gie. Ihre erfolgreiche Karriere hat die ­ge­bürtige Bretonin von Casablanca nach Bern ­geführt.

Als Frau und dazu noch französischsprachig war Delphine Morlier nicht unbedingt in einer Favoritenrolle, um sich im Bereich der Mobilität durchzusetzen, einem Tätigkeitsfeld, in dem Frauen noch immer untervertreten sind. Doch sie hat den Sprung geschafft und ist zu einer Expertin auf diesem Gebiet geworden. Die gebürtige Bretonin kam 1999 nach Lausanne, um bei Transi­tec, einem Ingenieurbüro, zu arbeiten. Nachdem sie sich bei mehreren Mandaten in der West­schweiz, insbesondere für die Genfer Trams, ihre Sporen abverdient hatte und bei Postauto in verschiedenen Funktionen, von der Planung bis zum Innovationsmanagement, tätig war, zog sie nach Marokko. Dort hatte sie den Auftrag, eine Studie über das Verkehrskonzept von Casablanca und dessen Agglomeration zu erstellen. Eine wahre Feuertaufe, wenn man bedenkt, dass die Stadt über vier Millionen Einwohner hat und Verkehrsstaus an der Tagesordnung sind. Delphine Morlier, die Herausforderungen und umfangreiche Projekte beflügeln, behält diese Zeit in bester Erinnerung: «Ich weiss noch, wie ich meinen damaligen Vorgesetzten fragte, was ich nach einem in meinem Bereich eher seltenen Projekt dieser Grössenordnung wohl noch anpacken könnte.» Die Ingenieurin beschloss, mit ihrer Familie in die Schweiz zurückzukehren, und arbeitete wieder bei Postauto, als Leiterin der Region Bern.

Madame Mobilität

Delphine Morlier
Öffentliche Verkehrsmittel und Velos bieten laut Delphine Morlier eine ideale Abdeckung für Stadtbewohner.

Seit 2020 ist Delphine Morlier Leiterin der Sek­tion Mobilität beim Bundesamt für Energie (BFE) in Ittigen. Sie ist für Aktivitäten zur Förderung der Energieeffizienz im Mobilitätssektor im Rahmen des Programms Energie Schweiz zuständig. Derzeit liegt der Fokus eines Grossteils ihrer Arbeit auf der Elektrifizierung der Fahrzeugflotte. Doch wie ist sie auf das Gebiet der Mobilität gestossen? «Nach dem Studium wurde mir klar, dass ich keine klassische Bauingenieurin war, die Gebäude oder Strassen bauen würde. Durch die Verbindung von Stadtplanung und ­Ingenieurwesen bietet die Mobilität ein Tätigkeitsfeld, in dem der Stadtentwicklung und dem Verhalten der Menschen Rechnung getragen wird. Und diese menschliche Dimension ist für mich von grundlegender Bedeutung und muss Teil meiner Arbeit sein», erklärt Delphine Morlier. Heute erarbeitet sie freiwillige Massnahmen, die auf Energieeinsparung und eine schrittweise Reduzierung des CO₂-Ausstosses abzielen: «Wir versuchen, alle betroffenen Akteure dazu zu ­bewegen, ihr Verhalten zugunsten einer ressourcenschonenderen Mobilität zu verändern.»
Delphine Morlier ist übrigens überzeugte Anhängerin der sanften Mobilität. Jeden Morgen fährt sie, egal, ob es regnet oder stürmt, mit dem Velo zu ihrem Arbeitsplatz nach Ittigen. «Ich bin in einem Dorf in Frankreich aufgewachsen, wo man stark auf das Auto angewiesen war. Dies hat in mir die Überzeugung geweckt, nie ein Auto zu besitzen. Ich wollte einen Lebensstil führen, bei dem ich keines benötigte, und ich habe bis heute keines», erklärt sie. Daher entschied sie sich, in der Stadt zu wohnen und regelmässig Mobility, die öffentlichen Verkehrsmittel und ihr Velo zu benutzen. Dennoch behält Delphine Morlier im Hinterkopf, dass das, was für sie stimmt, nicht unbedingt für alle Nutzer das Richtige ist.

Willkommene Vielfalt

Das Velo ist das bevorzugte Verkehrsmittel
von Delphine Morlier. Sie fährt täglich damit.

Als ich sie auf den Frauenmangel in ihrem Tätigkeitsfeld anspreche, meint Delphine Morlier, dass es für jedes Team ein Gewinn wäre, wenn die weiblichen Reihen stärker besetzt würden. Immerhin hat sie bereits ermutigende Veränderungen im Vergleich zu ihren Anfängen in der Berufswelt – vor über zwanzig Jahren – festgestellt. Auch begrüsst sie, dass sich Frauen, die in diesen Bereichen tätig sind, in Netzwerken zusammenschliessen. Im Gegensatz zu anderen hatte die ­Ingenieurin keine Probleme, sich durchzusetzen: «Als ich meine Ausbildung zur Ingenieurin begann, war ich eine der wenigen Frauen. Ich habe mich rasch daran gewöhnt, mich in einer Männerdomäne zu bewegen. Das hat mir später vielleicht geholfen», sagt die Wahlbernerin. Und fügt an, dass sie sicherlich viel Glück hatte: «Ich wurde im Laufe meiner Karriere stets von verschiedenen Vorgesetzten unterstützt, die mir vertrauten und mir Verantwortung übertrugen, ­wodurch ich Erfahrungen sammeln und mich weiterentwickeln konnte.» Allen Frauen, die sich durch ihre Laufbahn motiviert fühlen, rät sie ­Folgendes: Sich nicht ständig zu fragen, ob man die Voraussetzungen mitbringt oder nicht, bevor man neue Aufgaben übernimmt oder sich um eine neue Position bewirbt. «Frauen neigen eher dazu, sich diese Frage zu stellen, während Män­ner einfach loslegen und danach sehen, ob sie ­Erfolg haben», vergleicht sie.

Text: Pascale Stehlin
Fotos: TCS

Delphine Morlier
Delphine Morlier leitet seit 2020 die Sektion Mobilität des Bundesamtes für Energie (BFE) in Ittigen. Die an der französischen Fach­hochschule INSA diplomierte ­Ingenieurin für Bauingenieur­wesen und Städtebau ­besitzt ­zudem einen Masterabschluss von den Uni­versitäten Grenoble und Wien in Städtebau und Raumplanung. Die 48-Jährige ist perfekt zweisprachig, lebt in Bern und hat drei Kinder.

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