





Die Unfallzahlen gehen zurück und die Strassen werden messbar sicherer. Gleichzeitig nehme ich wahr, dass Nervosität und Rücksichtslosigkeit im Alltag des Strassenverkehrs spürbar zunehmen. Ein Appell für mehr Gelassenheit – auch an mich selbst.
Seit 2021 ist der Fahrzeugbestand der im Kanton Zürich eingelösten Fahrzeuge um 39'367 von 994'164 auf 1'033'531 Einheiten gestiegen. Trotz weiterer Bevölkerungs- und Fahrzeugzunahme verzeichnen wir im vergangenen Jahr den zweittiefsten Wert an Verkehrsunfällen der letzten zehn Jahre.
Fahrzeuge verfügen über immer bessere Sicherheitssysteme, und auch die Infrastruktur wird kontinuierlich verbessert. Diese Entwicklung ist erfreulich und zeigt, dass die Anstrengungen von Behörden, Organisationen wie dem TCS und den Verkehrsteilnehmenden Wirkung zeigen.
Dennoch scheint auf unseren Strassen häufig etwas anderes zuzunehmen: die Gereiztheit. Wer täglich unterwegs ist, kennt die Situationen. Ein zu spätes Blinken, ein kurzes Zögern an einer Kreuzung oder ein langsameres Fahrzeug genügen bereits, um Hupkonzerte, riskante Überholmanöver oder unwirsche Gesten auszulösen.
Ich frage mich, warum der Verkehr so schnell zum Ventil für Frust und Zeitdruck wird. Die täglichen Nachrichten über internationale Krisen, wirtschaftliche Unsicherheiten und gesellschaftliche Spannungen sind bereits belastend genug.
Umso wichtiger wäre es, im Verkehrsalltag eine Atmosphäre anzutreffen, die von Respekt statt von Konfrontation geprägt ist. Einfach gesagt, es liegt nicht nur an den anderen. Auch ich weiss, wo die Hupe ist.
Besonders wichtig wäre es, das Verständnis für die unterschiedlichen Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmenden aufzubringen.
Betagte Menschen zu Fuss, Pendler auf dem Velo, Teenies mit dem Trotti, der Kurier auf dem Motorrad oder der Auswärtige im Auto teilen denselben Strassenraum: Fehler passieren allen. Nicht jeder führt zu einem Unfall, aber viele zu unnötig scharfen Reaktionen.
Wer bewusst versucht, gelassener zu reagieren, den bösen Finger unten zu halten, tut auch seiner Gemütsverfassung viel Gutes.
Und den Nervenkitzel, über das schon dunkelorange Lichtsignal zu fahren, jemanden zu gefährden und eine üppig hohe Busse zu kassieren, braucht ja auch niemand.
Die sinkende Unfallquote zeigt, dass wir technisch und organisatorisch auf dem richtigen Weg sind. Mehr Verbote und Bussen sind nicht angezeigt.
Gesunder Menschenverstand hilft. Leider gibt es für aufwallende Emotionen kein Assistenzsystem. Aber wir können uns selbst etwas einbremsen. Sich bewusst vorzunehmen, entspannter unterwegs zu sein, ist sicher nicht falsch.
Versuchen Sie es auch?
Andreas Häuptli
Geschäftsführer TCS Sektion Zürich
