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Wie die Stadt Zürich die E-Trotti-Flut bändigt

Zürich scheint ein E-Trotti-Eldorado zu sein. Bereits 2018 ist der erste Anbieter von Miet-Trottis in der Stadt Zürich gestartet. Die meisten Jungen schätzen diese Art der Mobilität, viele Ältere ärgern sich. Wir haben mit Wernher Brucks, dem Leiter Verkehrssicherheit, Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich, über Ordnung, Lenkung und Verkehrssicherheit gesprochen.

22. September 2026

Nutzen Sie selbst auch Miet-E-Trottinette, wie sieht Ihr Mobilitäts-Mix aus? 
Da ich gerne selbst lenke, aber Autofahren in der Stadt für mich keinen Sinn macht, lege ich fast alle Wege mit dem Velo zurück, bei jedem Wetter. Manchmal miete ich auch ein E-Trotti. 

Der erste Anbieter «Bird» ist 2018 gestartet. Kann man sagen, das Ausleihen von E-Trottinettes hat sich etabliert? 
Ja, es hat sich etabliert. In Zürich wird ein E-Trotti im Schnitt zwei- bis dreimal pro Tag ausgeliehen. Die Fahrten sind ca. 1,5 km lang und dauern ca. 10 Minuten. Viele Ausleih- und Rückgabeorte deuten auf Arbeitswege morgens und abends hin. 

Wie viele Miet-Trottis sind in Zürich im Umlauf? Braucht der Anbieter eine Bewilligung, zahlt er eine Abgabe und gibt es eine definierte Obergrenze der Anzahl Fahrzeuge? 
Aktuell werden rund 5000 E-Trottis vermietet. Ein Anbieter mit Bewilligung darf maximal 800 E-Trottis vermieten und zahlt 10 Franken Gebühr pro E-Trotti im Monat. 

Wie in der Presse zu lesen war, wird die Anzahl Trotti und Anbieter begrenzt. Was hat zu diesem Schritt geführt? 
Die wichtigsten Ziele der geplanten Marktregulierung sind die Gewährleistung der Ordnung im öffentlichen Raum und eine zuverlässige Zusammenarbeit zwischen der Stadt und den Anbietern. Das erreichen wir mit weniger Firmen und kleinerem Angebot. 

Wie beurteilen Sie die Verkehrssicherheit von Miet-E-Trottinetten in Zürich, wie haben sich die Unfallzahlen und die Art der Unfälle in den letzten Jahren verändert?
E-Trottis könnten sicherer sein. Aufgrund der Raddurchmesser und der Rahmengeometrie ist die Gefahr von Stürzen gross. Das zeigen auch unsere Unfallzahlen (vgl. Grafik). Die verbreitete Nutzung für den Ausgang unter dem Einfluss von Substanzen verstärkt das.

Unfallstatistik
Polizeilich gemeldete Verkehrsunfälle auf dem Stadtgebiet Zürich unter Beteiligung eines E-Trottis.

Sind die heutigen gesetzlichen Regeln für die Miet-E-Trottinettes ausreichend, oder sehen Sie Handlungsbedarf? 
Helme retten nachgewiesen Leben. Ich trage fast immer einen Helm und empfehle es. Eine Helmpflicht könnte für die Anbieter problematisch sein, da die Kundschaft nicht immer einen Helm dabeihat und womöglich keinen Miethelm tragen möchte. 

Die Miet-Trottinettes müssen sich an die Regeln für Velos halten. Man hat aber das Gefühl, mit den Mietgeräten wird überall gefahren, trotz Verboten. 
Wir regulieren die Firmen stärker als Private. Ich kann mit meinem privaten Velo oder Auto jederzeit durch ein Fahrverbot fahren. Ein gemietetes E-Trotti dagegen wird von uns im Fahrverbot mittels Geofencing, mit dem wir Restriktionen in Zonen der Stadt festlegen können, auf Schritttempo gedrosselt. 

Ein Ärgernis sind Trottinettes, die umgefallen den Fussweg versperren. Ist da wirklich nichts zu machen? 
Das Abstellen ist das grosse Problem. Wir arbeiten an Lösungen und die Firmen wollen das auch in den Griff bekommen. Aufgrund verschiedener Abhängigkeiten braucht es Zeit. Wir sensibilisieren die Nutzerinnen und Nutzer, ihre E-Trottis richtig abzustellen. 

Wir kommen zum Abschluss. Was möchten Sie den Nutzenden von E-Trottis und allen, die sich drumrum aufhalten, auf den Weg geben? 
Wir brauchen mehr Gelassenheit und Respekt im Umgang miteinander im Strassenverkehr. Wir alle machen Fehler und behindern uns manchmal gegenseitig. Das wird sich nie ändern und ist gesetzlich oder technisch nicht lösbar. Der einzige Weg ist Toleranz. 

Wernher Brucks
Wernher Brucks
Leiter Verkehrssicherheit, Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich
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