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Unser Hudson

Unterwegs mit Markus Somm

 Wie ein altes Auto mit uns zusammenlebte

Mein Grossvater liebte Amerika. Als junger Ingenieur war er seinerzeit noch mit dem Schiff dorthin gefahren, um Geschäfte zu machen, und in den späten 1940er Jahren gehörte er zu den ersten Passagieren der Swissair, die von Dübendorf aus nach New York flogen. Wenn in Amerika, dann kaufte er stets das Neueste und Beste, so sah er es, zum Beispiel Hemden, die man nicht mehr bügeln musste, Filmkameras, die er nicht zu bedienen verstand, oder eben auch ein Auto. 1954 oder so kam es per Schiff via Rotterdam in Basel an: Der Hudson, unser Hudson. Eine damals recht prestigereiche Limousine in elegantester Form, breit, geschwungen, grosszügig ausgelegt auf den weiten Raum des Mittleren Westens, fühlte sich unser Hudson nie ganz wohl in der engen, steilen Schweiz, so müsste man vermuten, hätte das Auto Gefühle gehabt. Es häuften sich die Pannen, der Unterhalt verschlang viel Geld, der Hudson trank Benzin wie eine Kuh. So dass mein Grossvater bald einmal auf einen BMW wechselte, und der Hudson blieb in der Garage stehen. Aus Nostalgie, aus Respekt vor dem geliebten Amerika kam es für meinen Grossvater nicht in Frage, den Hudson weiter zu verkaufen oder gar auf den Autofriedhof zu verbringen, was er als pietätsloser empfunden hätte als einen Hund einzuschläfern. 

Nein, der Hudson überdauerte alle Zeiten, weil auch mein Götti, der Sohn meines Grossvaters, stets darauf beharrte, den Hudson irgendwann wieder einmal zum Fahren zu bringen. Jeden Samstag flickte er daran herum, polierte dort, ölte hier, zog die Schrauben an. Als mein Götti auszog, um eine Familie zu gründen, nahm er den Hudson mit und stellte ihn in die eigene Garage, so dass der Hudson auch uns Kindern zum liebsten Auto wurde. Unser Hudson. Hier schlummerte er, hier wartete er wie ein Dornröschen auf seine Erweckung, hier diente er uns als Versteck beim Spielen. Bis mein Götti in einer Lawine ums Leben kam. Das überlebte auch der Hudson nicht. Als meine Eltern das Haus räumten, gab es keinen Platz mehr für ihn. Er landete im Schrott.

An unseren Hudson musste ich denken, als ich von den Plänen der EU vernahm, den Verbrennungsmotor zu verbieten. Hätte ich noch den Hudson, würde ihn das nicht treffen, da nur neue Autos vom Verbot berührt sind. Ältere, so sieht es derzeit aus, dürften weiterfahren, so auch unser Hudson. Wie mein Götti würde ich ihn hegen und pflegen – bis in alle Ewigkeit.

Wenn die EU meint, so ans klimapolitische Ziel zu kommen, dürfte sie sich also noch täuschen. Autos sind manchmal nicht totzukriegen.
Markus Somm
Markus Somm ist Verleger und Chefredaktor des «Nebelspalter».
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