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Die Freiheit, einfach irgendwo hinzufahren

Unterwegs mit Markus Somm

Was taten wir an Ostern? Wir fuhren ins Tessin – und wollten nie mehr zurückkehren.

Als ich etwa sechzehn war, verbrachte mein Bruder ein Jahr in Amerika. Das war für mich ein entscheidendes Jahr. Warum? Weil ich das Töffli meines Bruders, einen Puch Maxi, hüten durfte. Endlich waren die anstrengenden Velotouren Geschichte, endlich trat ich ins Zeitalter der modernen, sprich: maschinengetriebenen Mobilität ein. Wenn es darum gegangen wäre, mich erwachsen zu machen, dann erfüllte der Puch Maxi diesen Zweck. Nie mehr kam ich zu spät in die Schule, nie mehr mussten sich meine Eltern Sorgen machen, dass ich nicht wusste, was mit meiner freien Zeit anzufangen, nie mehr konnte sich mein Physiklehrer darüber beklagen, dass ich mich nicht mit physikalischen Zusammenhängen befasste. Tatsächlich widmete ich mich nun mit meinen Freunden stundenlang der angewandten Mechanik: Wir nahmen unsere Motoren auseinander, feilten ausdauernd an ihnen und setzten sie liebevoll wieder zusammen, mit dem Ziel, sie schneller zu machen. Man nannte das «Frisieren». Es war eine Art Initiationsritual für jeden Töfflifahrer. War es verboten? Nie davon gehört.

Dann gab es die heiligen Tage. Diese standen an Ostern und Pfingsten an, also verlängerte Wochenenden, an denen wir unser Töffli wie ein Pferd sattelten, Proviant auf dem Rücksitz verstauten, die Bremsen überprüften und die Kette schmierten, um dann für ein paar Tage ins Tessin zu fahren. Mit 40 km/h, manchmal vielleicht 50 km/h, falls es bergab ging, 60 km/h. sofern der Motor wirklich gut frisiert war. Wenn ich mir das heute vorstelle, dann muss ich sagen: Wie konnten wir so viele langweilige Stunden auf dem Töffli ertragen? Wir hielten es für ein Abenteuer sondergleichen – und die Hauptsache lag wohl darin, dass das Töffli uns, so ermüdend eine solche Tour auch war, etwas versprach: Freiheit. Die Freiheit, einfach irgendwo hinzufahren. Und es musste das Tessin sein, weil zu jener Zeit das Tessin noch der Inbegriff des süssen Lebens darstellte. Italien wäre zu weit. Aber Locarno? Die Maggia?

Mobilität hat mit Freiheit zu tun – und vor lauter Bedenken wegen des Klimawandels vergessen wir, was uns die Motoren gebracht haben. Mobilität ist ein Segen für die Menschheit. Auch aus politischer Sicht. Wer sich einfach dort hinbegeben kann, wohin es ihn zieht, ohne dass er einen König um Erlaubnis fragen muss, und ohne, dass ihm das verwehrt bleibt, weil ein Pferd für ihn unerschwinglich ist, der erhält eine Freiheit, die er nie mehr hergeben möchte. 

Nach einem Jahr kam mein Bruder zurück. Und ich hatte kein Töffli mehr.

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Markus Somm
Markus Somm ist Verleger und Chefredaktor des «Nebelspalter».
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