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So klingt das Automobil

Stil im Verkehr mit Jeroen van Rooijen

Das Auto muss gerade viel aushalten, scheint gar vom Traum zur Last zu werden. Das war nicht immer so: Als der Personenkraftwagen neu war, war er ein Statussymbol, später ein Stück Freiheit, und noch in den 1990er Jahren stellte er ein Stück Identität dar. Von dieser intensiven Beziehung zwischen Mensch und Auto zeugen zahlreiche künstlerische Liebesbekundungen – auch in der Musik. Tausendfach wurde das Auto in der Geschichte der Popmusik besungen. Es begann 1905 mit Gus Edwards «My Merry Oldsmobile» – der Komponist war seiner Zeit allerdings rund 40 Jahre voraus, denn so richtig abheben würde das Genre der «Car Songs» erst in den 1950er Jahren – dann aber richtig. 

Das Auto ist in den frühen Liedern Sehnsuchts- und Rückzugsort, Fluchtmittel und Kuschelzone. Die Rückbank («Heaven is in the Back Seat of my Cadillac», Hot Chocolate, 1976) kommt ebenso oft vor wie das Lenkrad («Driver's Seat», Sniff'n'The Tears, 1978).

In der Frühzeit des Rock ging es beim Thema Auto um die grosse Freiheit. Referenz ist «Route 66» von Nat King Cole (1946), es wurde dutzendfach von anderen Interpreten gespielt. Autofahren war reiner Spass – «Fun, Fun, Fun» (1964) war nur eine von vielen Nummern, mit denen die Beach Boys dem Auto huldigten. Und natürlich verhiess das Fahrzeug nicht nur Unabhängigkeit, sondern auch sozialen Aufstieg, man höre «Drive my car» von den Beatles (1965).

Sportwagen waren immer ein wichtiges Thema. Wilson Pickett sang über die unbändige «Mustang Sally» (1966), Janis Joplin krächzte eine Hymne auf die Marke «Mercedes-Benz» (1970), obwohl sie selber bekanntlich Porsche fuhr. Queen haben zu: «I'm in love with my car» (1975) und Rose Royce empfahl, die Traummaschine regelmässig zu waschen, das Lied hiess «Car wash» (1976). Im gleichen Jahr waren T-Rex mit ihrem Porsche Coupé unterwegs, der Song hiess «Calling All Destroyers».

In den späten 1970er-Jahren begann es ambivalenter zu werden: Gary Numans «Cars» (1979) sah den fahrbaren Untersatz weniger als Komfortzone denn als mobilen Schutzraum auf dem «Highway to Hell» (AC/DC, 1979). Dort fuhr ausserdem eine «Long Black Limousine» unbekannter Herkunft gefährlich nahe auf («Pull up to the bumper», Grace Jones, 1981).

Mit den lebensfrohen 1980ern bekam das Auto wieder mehr Kredit: Geschmeidig fuhr die Band namens The Cars in ihrem «Drive» (1980) in den Himmel der Pop-Geschichte, während die Schweizer Band Yello sich mit «The Race» (1988) unsterblich machte. Prince empfahl für einen gelungenen Samstagabend eine «Little Red Corvette» (1982), Natalie Cole (Tochter von Nat King) den «Pink Cadillac» (1987). Was man dort so alles machte? Billy Ocean fasste es in «Get Outta my Dreams, Get into my Car» 1988 gut zusammen: «Lady driver, let me take the wheel, Smoth operator, Touch my bumper.» Jetzt weiss man auch, warum das Ersatzteil «Stossstange» heisst!

Zum Ende der 1980er Jahre waren aber auch Fluchtgedanken prägend: man höre «Fast Car» von Tracy Chapman (1988) oder «I drove all night» von Cindy Lauper (1989). In den 1990er Jahren bekam das Auto eine bedrohliche Komponente: «Drive»  von R.E.M. (1992) oder «Picture me rollin'» von Tupac Shakur (1996). Mit dem Aufkommen des Hip-hop als dominante Pop-Stilrichtung explodierte das Thema Auto in der Musik förmlich: Wer rappt, der feiert auch das Auto, so lautet eine moderne Gleichung. Man höre «Just cruisin'» (Will Smith, 1997), «Lowrider» (Cypress Hill, 2001), «Get in My Car» (50 Cent, 2005), «Rolls Royce» (Lil'B, 2009) oder «Ferrari Boyz» (Gucci Mane, 2011).

Im Zuge dieser Entwicklung wurde das Auto ausserdem zur offenherzig-sexuellen Projektionsfläche: «Shut up and drive» von Rihanna (2007) lobt die Ausschweifung hinter dem Steuer, ebenso Keshas «Gold Trans-Am» (2012). An nostalgisch-erotische Motive knüpft auch Lana de Reys «White Mustang» (2017) an. Parallel kam aber die verkehrstechnische Realität in der Musik an: Ariana Grande steckte in «Honeymoon Avenue» (2013) vor allem im Stau und auch in Taylor Swifts «Getaway Car» (2017) kam man nicht weit, auch wenn man auf der Flucht war. 

Eine US-Webseite hat 100'000 Songs nach automobilen Referenzen abgeklopft. Sie stiessen auf 72'000 Lieder von 13'000 Künstlern und Künstlerinnen. Wenig überraschend kommt das Auto im Rap-Genre am häufigsten vor, am meisten bei Lil Wayne, Jay-Z, Snoop Dogg und Nas. Sie haben alle über 300-mal Autos in ihren Tracks zum Thema gemacht. In anderen Genres kommt das Auto auch vor, aber bedeutend weniger häufig. Bei den Rockmusikern führt Bruce Springsteen (88 Erwähnungen) vor Tom Waits und Kid Rock. Im Pop-Sektor geben Jimmy Buffet (67 Hits) und Prince (66) den automobilen Ton an, beim Folk das Urgestein Bob Dylan (85). Dass das Auto im Genre der Punk-Musik kaum bis gar nicht vorkommt, dürfte niemanden überraschen – Punks trugen zwar gerne abgerissene Mercedes-Sterne um den Hals, doch ausser Iggy Pop hatte keiner eine rechte Affinität zum Automobil. 

Jeroen van Rooijen
Jeroen van Rooijen, 51, ist der bekannteste Stilkritiker und Modejournalist des Landes (NZZ, SRF3 etc.). Er fährt am liebsten Velo, aber auch Auto – und organisiert seit 2011 den jährlichen «Style Ride», eine urbane Lustfahrt für schöne Menschen und Velos.
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