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Es braucht ein sinnvolles Nebeneinander

Im Gespräch mit Christine Maier, neue Direktorin der Verkehrsbetriebe Biel

10. August 2021

Christine Maier ist seit Januar 2021 die neue Direktorin der Verkehrsbetriebe Biel. Im Gespräch mit uns thematisiert sie die Entwicklungen im Strassenverkehr in der Stadt Biel und spricht über die Zukunft der Mobilität. Zudem geht sie auf die Auswirkungen der Pandemie auf den Öffentlichen Verkehr ein. Christine Maier ist diplomierte Wirtschaftsingenieurin und studierte in Darmstadt, Berlin und Berkeley. Sie ist Mutter von zwei Kindern und wohnt in Kehrsatz.

Frau Maier, sie sind seit Januar 2021 die neue Direktorin bei den Verkehrsbetriebe Biel. Wie haben Sie das erste halbe Jahr erlebt?

Ich habe ein gut funktionierendes Unternehmen kennengelernt, mit vielen engagierten und stolzen Mitarbeitenden. Ich habe in den ersten Monaten sehr viele Gespräche geführt und mir alle Abteilungen und Bereiche zeigen lassen. So konnte ich schnell verstehen, wie alles funktioniert, aber auch Punkte erkennen, die wir besser machen müssen. Z.B. sind wir noch nicht sehr weit im Bereich Digitalisierung. Wir machen aktuell noch sehr viel manuell.

Welche Auswirkungen hatte die Pandemie auf die Benutzung des öffentlichen Verkehrs? Erkennen Sie längerfristige Veränderungen?

Der öffentliche Verkehr hat sehr gelitten unter der Pandemie. Im Vergleich zu 2019 hatten wir im Jahr 2020 fast 30% weniger Fahrgäste. Dieser Rückgang ist vergleichbar mit anderen Transportunternehmen und schlägt sich natürlich auch auf die Erlöse nieder. Da wir den Fahrplan trotz weniger Fahrgäste mehr oder weniger gleich gefahren sind, konnten wir keine Kosten einsparen, was zu einem Verlust von 2.1 Mio CHF führte.

Mit Corona wurde Homeoffice von heute auf morgen für alle im Büro arbeitenden Menschen zur Selbstverständlichkeit. Die damit verbundenen Vorteile der Flexibilisierung möchte sicher keiner mehr aufgeben. Das hat zum einen eine Verlagerung des Pendelns zur Folge. Die Menschen werden wahrscheinlich vermehrt von Dienstag bis Donnerstag zur Arbeit fahren. Da sie aber nicht mehr zu fixen Bürozeiten anwesend sein müssen, wird sich das Pendeln besser über den Tag verteilen. Zum anderen wird der Freizeitverkehr zunehmen. Dies wird auch unter der Woche der Fall sein, weil eben genau die Flexibilität des Homeoffice auch ermöglichen wird, z.B. am Tag Tennis oder Golf zu spielen und am Abend wieder zu arbeiten. Damit wird es für den öffentlichen Verkehr aus meiner Sicht zu einer gleichmässigeren Verteilung der Auslastung kommen.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht der Verkehr in der Stadt Biel in den nächsten Jahren entwickeln? Wo sehen Sie Herausforderungen?

Die Bevölkerung von Biel wird wachsen und damit natürlich auch der Bedarf an Mobilität. Hinzu kommen viel individuellere Bedürfnisse an Mobilität. Bei schönem Wetter möchte man lieber Velo fahren. Bei Regen oder Schnee wird der Bus bevorzugt. Wenn man lieber allein sein und nicht umsteigen möchte, dann nimmt man das Auto.

Diese Individualität und Flexibilität in der Mobilität wird auch Biel vor einige Herausforderungen stellen. Alle nutzen die gleichen Strassen. Das heisst, es braucht ein sinnvolles Nebeneinander. Aber gleichzeitig muss man sich bewusst sein, dass auch ein sich gegenseitiges «Behindern» entstehen wird. Velos können gegebenenfalls nicht vom Auto oder Bus überholt werden, weil die Strasse zu eng ist oder das Überholmanöver zu gefährlich. Dies führt dazu, dass der Verkehr in der Stadt langsamer und für einige auch mühsamer wird. In der Stadt Biel wird man daher überlegen müssen, ob es auf bestimmten Strecken eine Bevorzugung von bestimmten Verkehrsträgern geben soll. Zudem wird man nicht um ein übergeordnetes Verkehrsmanagement herumkommen, welches den Verkehrsfluss in der ganzen Stadt steuert.
Für uns als Busbetrieb wird es schwierig werden, die genaue Kapazität zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu haben. Mal schnell ein paar Busse mehr, wenn es regnet, weniger Busse bei strahlendem Sonnenschein. Diese Flexibilität lässt sich nicht so einfach bewältigen – wird aber von den Kundinnen und Kunden erwartet werden.

Welche Veränderungen wird es Ihrer Meinung nach in Zukunft im Bereich der Mobilität geben?

Langfristig wird die Mobilität zunehmend individueller werden. Ich bin auch davon überzeugt, dass langfristig immer weniger Menschen ein eigenes Auto besitzen werden. Die jungen Menschen werden ihr Geld lieber für Reisen und Freizeit ausgeben, als sich ein teures Auto anzuschaffen. Die starke Zunahme an Sharing Angeboten zeigt diesen Trend schon klar auf.

Wichtig wird sein, Mobilität «einfach, spontan und bequem» zu gestalten. Der Kunde will von A nach B reisen, mit dem für ihn bestem Verkehrsmittel, zum günstigsten Preis und auf dem schnellsten Weg. Dazu muss er seine Reise von A nach B einfach buchen und kaufen können und die Umsteigemöglichkeiten müssen transparent sein. Mögliche Störungen müssen aktuell und idealerweise mit alternativen Verkehrswegen angezeigt werden. Mit der Digitalisierung wird das möglich werden. Es gibt ja schon zahlreiche Apps, die genau in diese Richtung gehen.

Daneben wird auch die physische Vernetzung der verschiedenen Verkehrsträger wichtig sein. Es braucht einfache «Umsteige- oder Verbindungshubs» an zentralen Stellen in der Stadt sowie in Agglomerationen, wie z.B. ein stadtnahes Park&Ride mit gutem Bus- und Zuganschluss oder eine Bushaltestelle mit CarSharing Angeboten im Wohnquartier.

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