





Bruno Pascal Nägeli, Direktor von TCS Ambulance Aargau
Seit bald 40 Jahren ist Bruno Pascal Nägeli mit Leib und Seele Rettungssanitäter. Wie sich das Berufsbild über die Jahrzehnte verändert hat, über den Einsatz beim Flugzeugabsturz der Crossair und wie sehr er an die überkantonale Nutzung von Synergien glaubt, erzählt er im Interview.
Du bist seit bald 40
Jahren als Rettungssanitäter unterwegs. War es für dich immer klar, dass du
nichts anderes machen würdest?
Das waren damals noch
andere Zeiten …
Ja, damals gab es noch keine Ausbildungen, wie wir sie heute kennen. Geholfen wurde nur im Spital. Wer sollte also fahren, um die Verletzten zu holen? Das war der Schreiner, der technische Dienst – einfach Fahrer. In manchen Regionen war es auch die Polizei, welche die Patientinnen und Patienten ins Spital brachte.
Irgendwann wollte man dann die Medizin zum Patienten bringen, also kam eine Krankenschwester mit. Erst dann kamen die ersten Ausbildungen. Rückblickend muss man sagen: So spät! Heute ist es Gott sei Dank besser. Ich habe alle Stufen mitgemacht bei den ersten Ausbildungen, bis der Rettungssanitäter endlich zum Berufsbild geworden ist.
Kannst
du noch schlafen mit dem, was du alles erlebt hast?
Es braucht natürlich eine gewisse Distanz. Wenn ich an einen Notfall komme, gibt es klare Abläufe. Das primäre Interesse gilt den Vitalparametern. Mich machen Einsätze glücklich, bei denen man Schmerzen lindern oder Folgeschäden durch professionelle Bergung vermeiden kann. Und natürlich per se Leben retten kann. Aber man kann nicht jeden retten. Ich sehe es dann etwas fatalistisch: Wenn wir mit dem bestausgestatteten Rettungswagen und der heutigen hochwertigen medizinischen Versorgung nicht helfen können, dann war offenbar der Moment gekommen. Natürlich habe ich viel Tragik erlebt.
Wie
ist es denn, wenn man an eine Unfallstelle kommt?
Nun, bei Verkehrsunfällen sind die Situationen übersichtlich. Anders war es bei den verschiedenen Flugzeugunglücken. Da ist es schwieriger. Ich war beim Unglück der Alitalia 1990 in Zürich vor Ort. Hier gab es aber keine Überlebenden, auch nicht beim Absturz einer Crossair zehn Jahre danach.
Hingegen überlebten wenige den zweiten Crossair-Absturz 2001 bei Bassersdorf im Kanton Zürich. So eine Unfallstelle ist sehr unübersichtlich. Wir kamen mit fünf Ambulanzen sowie unserer damaligen grossen mobilen Behandlungsstelle mit einem LKW-Zugfahrzeug. Weitere Rettungsmittel und Organisationen waren vor Ort. Es schneite, und wir konnten gar nicht bis zur Unfallstelle heranfahren. Den zuerst eintreffenden Rettungsmitteln kamen wenige Überlebende mit unterschiedlichen Verletzungen entgegen. Diese wurden zur zentralen Sanitätshilfsstelle gebracht. Unklar war, ob noch weitere Überlebende im Wald umherirrten, weshalb auch Suchtrupps eingesetzt wurden.
Wie ergab sich die
Situation, dass du dich nach jemandem umgeschaut hast, um die Führung bei
Intermedic abzugeben?
Aufgrund meines Alters musste ich mich mit meiner Nachfolgeregelung befassen. Man muss einsichtig sein und wissen, dass man den Job nicht ewig machen kann. Aber das Ganze zog sich dann über zehn Jahre hin. Zuerst wollten es Mitarbeitende übernehmen, das ist dann nicht ganz aufgegangen. Immer wieder wurde ich auch von Organisationen angeschrieben, darunter auch der TCS. Dann gab’s ein Treffen zum Kaffee – von dem ich sehr positiv überrascht war.
Was war denn so
überraschend?
Es klingt vielleicht komisch, aber das Treffen war so schön unter «normalen» Leuten. Vielleicht, weil der TCS eben eine Hilfsorganisation ist. Und unter allen Möglichkeiten hat es für mich hier gestimmt. Nur hier habe ich das Potenzial gesehen, dass man in der Ambulanzwelt etwas verbessern kann. Es gibt viel Kantönligeist in unserem Bereich und gewisse Strukturen sind schwierig. Nur mit einer grösseren Organisation kann man dies durchbrechen.
Was für mich wirklich wichtig war: Man muss miteinander arbeiten, Synergien nutzen, sei es beim Einkauf von Material oder zur Vermeidung von Leerfahrten. Unter dem Dach des TCS sehe ich die Möglichkeit, dies anders zu lösen.
Was für
Repatriierungen sind dies?
Wir sind für die Notrufnummer 144 im Aargau im Einsatz sowie in der Schweiz und international, also Repatriierungen, mit Patiententransporten. Ein weiterer Teil ist der Sanitätsdienst bei Anlässen aller Art: Sportanlässe, Events wie das Argovia-Fäscht, seit über 20 Jahren fürs Hallenstadion und auch in der Swiss Life Arena.
Wo ist TCS Ambulance Aargau überall im Einsatz?
Auftraggeber sind meistens Versicherungen, aber wir sind auch für die ETI-Zentrale im Einsatz. Jetzt fahren wir gerade nach Österreich, Deutschland und Südfrankreich, um Patientinnen zu holen. Aus medizinischen Gründen ist die Repatriierung nicht immer per Flugzeug möglich, dann holen wir sie mit der Ambulanz. Aber ich bin auch viel geflogen. Ich habe schon Patienten in Hawaii und Bangkok abgeholt. In Spitzenjahren waren es bis zu 140 Repatriierungen im Jahr. Das ist anstrengend.
Du warst schon immer
an der Front im Einsatz und bist es auch heute noch. Kannst du gar nicht
anders?
Ja, ich bin mit Herzblut Retter. Ich konnte vieles bewegen in diesen Jahrzehnten. Wenn ich an die ersten alten Krankenwagen denke und an unsere heutigen Rettungswagen, die eine fahrende Intensivstation sind! Aber ich werde aufhören, bevor andere es mir nahelegen (lacht).
Immerhin nimmst du
dir Zeit für dein Hobby: das Vielfliegen. Wie kam es dazu?
Dies hat mit dem Job angefangen. Bei fernen Destinationen, wie eben erwähnt, sammeln sich Meilen. Irgendwann hatte ich den Senator-Status erreicht, den ich nun übrigens auf Lebzeit habe. Andere golfen oder machen etwas anderes, ich fliege gerne. Inzwischen habe ich den HON-Circle-Status. Ich freue mich auch, wenn ich bei der Einweihung von neuen Flugzeugtypen eingeladen werde.
Und ein anderes Hobby
hast du nicht?
Ein weiteres Hobby? Rettungsdienst!
Fiona Schreve Bloem leitet die TCS Ambulance Genf
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