21.08.2018

Sicher über Stock und Stein



21. August 2018

Wandern ist beliebt und die perfekte Kombination von Sport und Erlebnis. Das Hobby ist aber nicht ganz ungefährlich – jährlich verunfallen gegen 20'000 Personen. Damit nichts passiert, ein paar Tipps, um sicher zu wandern.

Kürzlich rief mich ein alter Kollege an und wollte von mir wissen, ob er die Hohtürli-Bergwanderung von der Griesalp nach Kandersteg wohl in einem Tag schaffe. Ich sei ja als Bergführer viel in den Bergen unterwegs und könne ihm hier bestimmt mit Rat und Tat weiterhelfen. Nun, es ist immer delikat, von der Ferne aus zu beurteilen, ob ein Wanderer diese Tour schafft oder nicht. Ich weiss nicht, wie gut er trainiert und ausgerüstet ist und wie es mit seiner Bergerfahrung ausschaut. Immerhin müssen im Aufstieg 1450, im Abstieg 1700 Höhenmeter und eine Strecke von 17 Kilometern bewältigt werden. Gut trainierte Bergwanderer schaffen diese Tour in einem Tag. Doch nicht nur die Kondition alleine ist Voraussetzung für eine gelungene Wanderung. Tourenplanung, Ausrüstung und weitere Faktoren sind Basis für ein gelungenes Bergerlebnis.

Können/Fitness

Bei mehrstündigen Wanderungen mit viel Höhendifferenz ist eine gute Kondition Voraussetzung. Ohne Training oder einen guten Aufbau – mit kurzen Wanderungen beginnen und dann steigern – machen anstrengende Touren keinen Spass. Eine gute Trittsicherheit und Körperbalance helfen, steile Passagen zu überwinden. In einer Gruppe sollten alle in etwa dasselbe Niveau haben. Gut beraten ist, wer unter der Woche mindestens einmal Sport treibt (Joggen, Fitness, Schwimmen oder Velofahren).

Planung

Anhand von Karten, Wanderführern oder Apps die Route genau studieren. Einen Zeitplan erstellen und Schlüsselstellen definieren. Für die Zeitplanung gilt die Faustregel: Pro Kilometer Distanz und 100 Höhenmeter werden ungefähr je 15 Minuten benötigt.

Stabiles Wetter, mindestens während der geplanten Wanderdauer, ist Voraussetzung. Besonders heikel sind Kaltfronten und Gewittertendenz. Infos: meteoschweiz.ch

Sich bei Lokalen über die herrschenden Verhältnisse erkunden. Aufgepasst! Altschneefelder im Frühsommer oder nach Schneefällen im Spätherbst sind gefährlich und oft Ursache von Unfällen. Es kann auch sein, dass der Weg wegen Gefahren (Steinschlag usw.) geschlossen ist. Infos finden sich auf den Webseiten der kantonalen Wanderwegvereine.

Ausrüstung

  • Wander- oder Bergschuhe mit einem guten Profil und Seitenhalt sind zwingend. Stossdämpfersohlen erleichtern vor allem den Abstieg. Die Schuhe sollten eingelaufen sein und keine Blasen verursachen. 
  • Bei einem schweren Rucksack oder Gelenkproblemen können Teleskopstöcke hilfreich sein. Sie fördern aber bei häufigem Gebrauch nicht gerade den Gleichgewichtssinn. 
  • Funktionelle Bekleidung im Schichtsystem von der Unterwäsche bis zur Wetterschutzjacke sind empfehlenswert. Eine leichte Daunenjacke (packable) ist immer dabei. Für längere Touren Ersatzkleider im wasserdichten Beutel mitnehmen. 
  • Sonnenschutz mit Hut, Brille und Creme nicht vergessen. 
  • Und falls doch etwas schief läuft, kann ein Handy mit vorinstallierter Rega-App gute Dienste leisten. 
  • Bei der Wahl des Proviants sind die Vorlieben verschieden. Ein Mix aus Dörrfrüchten und Nüssen, ein paar Riegel, Schokolade und frische Früchte sind sicher nicht schlecht. Immer dabei ist eine mit warmem Tee gefüllte Thermosflasche. 
  • Eine kleine Apotheke mit Verbandsmaterial, einem rezeptfreien Schmerzmittel, Blasenpflastern und einer Rettungsfolie gehört in jeden Wanderrucksack. Eine Sam-Splint-Schiene leistet wertvolle Dienste bei Verstauchungen und anderem. 
  • All die Ausrüstung sollte in einen Rucksack mit gutem Tragkomfort verstaut werden können. Für einen Tag reichen die leichten Daypacks (15 bis 20 l), für mehrtägige Touren sollte der Rucksack (20 bis 45 l) mit Hüft- und Brustgurt ausgestattet sein. Zu empfehlen sind Modelle mit integrierter Regenhülle.

Unterwegs

Einmal am Wandern, unterwegs die Verhältnisse prüfen. Stimmt beispielsweise der Zeitplan nicht mehr, schlägt plötzlich das Wetter um, ist der Weg in schlechtem Zustand, dann ist Umkehren angesagt. Das Gehtempo sollte gleichmässig und der Kondition angepasst sein. 

Gerät man trotz seriöser Tourenplanung in ein Gewitter, dann Gipfel, Grate, Kuppen, einzelne Bäume, Masten, Wasserläufe und Stahlseile meiden. Geschlossene Gebäude, grosse Höhlen (2 Meter Abstand zu den Wänden) aufsuchen. Sonst sich auf dem Rucksack niederkauern. 

Selbstverständlich respektieren alle Wanderer Schutzgebiete und lassen Pflanzen in der Natur weiterwachsen. Immer auf den markierten Wegen bleiben und den Abfall zuhause entsorgen. 

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