29.11.2019

Finnland: Der Ruf der Natur

Das Dorf Vuokatti mausert sich zu einer echten ­Touristendestination, weit weg vom Trubel Lapplands. Von Skifahren bis Hundeschlittenfahrten bietet dieses Winter­sportparadies jede Menge Aktivitäten.

29. November 2019

Eine andächtige Stille weicht dem ohrenbetäubenden Bellen überreizter Hunde. Die sechs Huskys, die auf einer sechs Kilometer langen Strecke einen Schlitten für zwei Personen ziehen, laufen endlich los. Voller Ausgelassenheit rennen sie durch den Schnee. Die Jüngsten wie Sven und Geisha hüpfen auch während der kurzen Pausen, die auf der Fahrt eingelegt werden, herum. Bequem im Schlitten sitzend oder vorne stehend, mit der Lenkung des Gespanns betraut, gleiten eine kleine Gruppe von Touristen und ich auf dem weissen Pulverschnee dahin, zwischen den Birken, Lärchen und Kiefern, aus denen der dichte finnische Wald besteht. Das Unternehmen Vuokatti Safaris züchtet und betreut rund hundert Hunde, hauptsächlich Huskys – nicht alle reinrassig – sowie einige Jagdhunde. Hier in Vuokatti, in der Region Kainuu in Mittelfinnland, sind die Anhänger des Nordens nicht in der Masse unterwegs, und die Winteraktivitäten ermöglichen einem, wirklich mit der Natur in Verbindung zu treten, ohne Hast und Eile.

Grosse Portion Rüeblisalat

Und was gibt es Besseres, um dem Ruf der Natur zu folgen, als im eisigen Wasser eines Sees zu planschen. Gut, um nicht zu Eisblöcken zu werden, ziehen wir wasserdichte, leuchtend orangefarbene Anzüge an. Darunter tragen wir zahlreiche Kleidungsschichten. Den langen Prozess des Anziehens lassen wir hier lieber weg … Jedenfalls denkt man bei einem Dutzend Personen in solchen Leuchtfarben schnell an einen Riesenkarottensalat, dessen einzelne Rüebli mal kurz ins Wasser eintauchen. Als wir unsere Füsse am Ende der Schiffsbrücke ins eisige Wasser gleiten lassen, zittern wir nicht. Man kann schön planschen, wie im Sommer oder gar besser. Spass ist angesagt. Während einige versuchen, aus dem Wasser zu klettern, wackeln andere wie Pinguine auf dem Packeis herum oder balancieren auf einem Stück Eis. Nach etwa 20 Minuten kehren wir wieder zurück, um uns umzuziehen und um den Karottenanzug beiseite zu legen, bevor wir eine dampfende Tasse schwarzen Johannisbeersafts trinken. Die finnische Gastfreundschaft beginnt oft mit einem Lächeln und einer mit einem warmen Getränk gefüllten Thermosflasche. Während wir den Saft geniessen, trocken und drinnen im Warmen, sehen wir durch das Fenster einen mutigen Mann in Unterhosen, der über die kleine Leiter ins Wasser steigt … In Sekundenschnelle taucht er bei einem oder zwei Grad darin ein. Respekt! Versprochen, nächstes Mal probieren wir die Variante «geschältes Rüebli»!

Anderer Anzug, unterschiedliche Aktivität: Schneemobilfahren. Samppa, ­unser Instruktor, geht die verschiedenen Sicherheitsanweisungen rasch durch. «Unsere Fahrzeuge werden bei 40 km/h gedrosselt», sagt er, wie um die Frage vorwegzunehmen, die uns auf den Lippen brennt. Dann steigen wir auf unsere Gefährte, und los geht der Spass. Anfangs ist es schwierig, die Geschwindigkeit konstant in den engen Kurven zwischen den Bäumen zu halten, doch dann üben wir uns darin, indem wir das Gas auf dem gefrorenen See entlang dessen geradlinigen Verlaufs voll aufdrehen. Der Rest der Tour ist einfach magisch: Wir verlieren uns in einer direkt aus der Welt von Narnia entsprungenen Landschaft, durchqueren bald ein Waldstück, bald einen riesigen zugefrorenen See und begegnen einigen Langläufern. Die 20 Kilometer lange Strecke – Kälte und Hunger fordern ihren Tribut – wird durch eine stärkende Pause unterbrochen. Wir nehmen uns Zeit, um eine feine Lachssuppe zu geniessen, gefolgt von Rhabarberkuchen und Tee, bevor wir unsere Helme aufsetzen und wieder voll loslegen.

Skifahren auf 293 Metern

Für einen Schweizer Touristen ist Skifahren in Finnland sicherlich nicht besonders exotisch. Es aber auf 293 Metern Höhe zu tun, gehört schon fast ins Guinnessbuch der Rekorde. Neben den 13 Pisten besteht auch die Möglichkeit zum Langlaufen. Bei extremer Kälte – oder im Sommer – ist ein 1,2 Kilometer langer Tunnel die Alternative zu den Loipen im Freien, welche die Landschaft durchziehen. In Sachen Wintersport hat man einzig die Qual der Wahl.

Eine Fülle an Aktivitäten, ein paar verstreute Touristen – vor allem aber eine Natur, wie wir sie in unseren Gefilden nicht mehr kennen: In der wunderschönen Landschaft um Kainuu und insbesondere um Vuokatti kann man sich förmlich verlieren. Als letztes Beispiel sei eine Schneeschuh-Nachtwanderung mit Reiseleiter Marcus Grunewald erwähnt. Der Weg windet sich auf den Anhöhen von Vuokatti durch den Wald, die Bäume ragen wie Riesen in die Höhe und werfen Schatten. «Wir können jetzt unsere Stirnlichter ausschalten», schlägt Marcus vor. Daraufhin verändert sich die Stimmung dieses Ausflugs nochmals komplett. Die Nacht scheint vom Mondlicht überzuckert zu sein. Und nur das Knistern des Schnees unter unseren riesigen Schuhen stört die Stille. An der Wegbiegung taucht eine Kota auf. Marcus macht ein Feuer in der kleinen Holzhütte, wie es sie in Finnland zu Tausenden gibt. Und teilt ein Glas Teerschnaps, die lokale Spezia­lität, mit uns. Später nehmen wir, unsere Stöcke in den Händen haltend, das letzte Wegstück in Angriff und verlassen bedauernd den Wald, um oberhalb der Pisten anzukommen. Eine magische Tour, gekrönt durch einen grünen Lichtschimmer, der den dunkelblauen Himmel durchdringt und zu tanzen beginnt. Ein Nordlicht, ein Geschenk der Nacht.

Die Reportage kam auf Einladung von Glur Reisen zustande.

 Text und Bilder: Aline Beaud

GUT ZU WISSEN

  • Anreise: Mit Finnair über Helsinki nach Kajaani. Das Dorf Vuokatti ist ca. 43 Kilometer vom Flughafen entfernt.
  • Unterkunft: Hotel Aateli, in der Nähe der Pisten gelegen. Das Restaurant serviert feine Spezialitäten, vom Elcheintopf bis hin zu Blinis mit Lachs. DZ für 2 Personen mit Frühstück ab 130 Euro/Nacht.
  • Winteraktivitäten: Die Firma Vuokatti Safaris organisiert verschiedene Aktivitäten, z. B. Schneemobiltouren, Hundeschlittenfahrten oder Schneeschuhtouren.
  • Wintersaison: von Dezember bis März. Um Landschaften mit Bäumen zu sehen, die vollständig mit Schnee bedeckt sind, sollte man möglichst in den Monaten Januar und Februar verreisen.
  • Mitnehmen: warme Winter- und Skibekleidung sowie Thermounterwäsche und gute Schuhe. In der Regel werden Anzüge, Handschuhe, Mützen usw. (über den Kleidern zu tragen) von den Veranstaltern der Hundeschlittenfahrten und Schneemobilausflüge zur Verfügung gestellt. Für Letzteres den Führerschein mitnehmen.
  • Spezialangebot: TCS-Mitglieder erhalten bei Buchung des Angebots «Vuokatti» eine Reduktion von 5% bei Glur Reisen in Basel gültig bis 31.1.2020.Informationen und Reservationen:061 205 94 94 oder reisen@glur.ch. Bitte TCS-Mitgliedernummer bei der Buchung angeben.
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