19.10.2018

Flug Porto–Payerne für ein Frühgeborenes


19. Oktober 2018

Ende letzten August organisierten der TCS und die Rega die Rückführung einer Mutter und ihres in Portugal zu früh geborenen Kindes. Wieder zuhause in Etoy (VD) lassen Sandra und José Da Silva ihre Erinnerungen Revue passieren. Erleichtert und dankbar.

Zwei Wochen Sommerferien bei der nach Portugal zurückgekehrten Familie? Nichts Besonderes für Sandra und José Da Silva sowie ihren sechsjährigen Sohn David, die aus der Region Porto stammen und in Etoy (VD) wohnen. Sandras Schwangerschaft – Ende Juli 2018 in der 27. Woche – sollte nach Ansicht ihres Arztes eine solchen Reise nicht tangieren. «Sofern man sich auch etwas Ruhe zugesteht.» Lennys voraussichtlicher Geburtstermin ist Ende Oktober. Doch die Natur will es anders: Einige Tage nach der Ankunft, am 2. August, muss die junge Frau wegen Wehen in die Poliklinik von Porto gebracht werden. Verdikt: komplett offener Muttermund. Ein Notkaiserschnitt wird angeordnet. «Das Baby hatte sich nicht gedreht», erinnert sich Sandra, noch immer bewegt von der rasanten Abfolge der Ereignisse: «Neunzehn Minuten nach meiner Aufnahme kam Lenny zur Welt.»

Trennung nötig

Das Frühgeborene verbringt drei Wochen in der Neonatologie, bevor es am 22. August dank der positiven Entwicklung ins rund 30 km entfernte Bezirksspital von Penafiel überführt wird. Nach ihrem Spitalaufenthalt weilt Sandra wieder bei ihren Schwiegereltern. Derweil hat ihr Mann José nach diesem langen und beunruhigenden Aufenthalt beschlossen, mit David in die Schweiz zurückzukehren. «Ich wollte ihn zurück in sein gewohntes Umfeld bringen und an seiner Seite sein, um seinen Eintritt in die Primarschule am 27. August vorzubereiten», so der junge Familienvater. Zurück in Etoy, am 21. August, ruft er die ETI-Zentrale des TCS an, um sich über eine allfällige Rückführung zu erkundigen. «Eine halbe Stunde später rief man mich zurück und sagte mir, dass die Organisation eines Fluges für meine Frau und mein Kind möglich sei».

Am 30. August verlässt ein Jet der Rega den Flughafen in Zürich. An Bord ein auf Säuglinge spezialisiertes Ärzteteam und ein Transport-Inkubator. Nach der Ankunft in Porto nehmen Team und Material Kurs aufs Spital, um das Baby abzuholen. Dort wartet Sandra auf sie, um ihnen dann im Taxi zum Flughafen zu folgen, wo Mutter und Sohn an Bord Platz nehmen. Reiseziel Payerne, wo der Flugplatz für den Sanitätstransport geöffnet wird. «Wir wollten Lenny im Unispital Lausanne (CHUV) unterbringen », fahren die Eltern fort. Die angeforderte Ambulanz erfüllt ihren Wunsch am gleichen Tag. José, der gemeinsam mit David auf die Landung wartete, erinnert sich: «Ihre Ankunft in Payerne bleibt eine fantastische Erinnerung: ein Flugplatz, der seine Aktivitäten für ein knapp 1,3 kg schweres Baby einstellt…»

Aufgeschobene Feier

Anfang Oktober hat sich die Situation entspannt: Lenny ist 37 Wochen alt, wiegt 2,5 kg, misst 47 cm, ist gesund und lernt, gestillt zu werden. Nach einer Beobachtungsphase im Spital von Morges wird er zu einem noch offenen Zeitpunkt nach Hause dürfen. Ein lange erwarteter Moment: «Wir konnten uns über diese Geburt nicht freuen», entfährt es José. Seine Frau bestätigt: «Bei einer Frühgeburt fällt es den Leuten schwer, den Eltern zu gratulieren. Nun werden wir endlich die medizinische Seite vergessen und uns über das Positive freuen!»

Die beiden sind aber nicht nur erleichtert, sondern auch dankbar gegenüber dem TCS. «Ich war verblüfft über die rasche Abwicklung unseres Falls, und die  Menschlichkeit aller Beteiligten hat mich sehr berührt», sagt José. Eine Menschlichkeit, die auch seine Frau – an vorderster Front in diesen schwierigen Momenten – betonen möchte: «Der TCS war ohne grosse Bürokratie für uns da, mit bewundernswertem Feingefühl und beeindruckenden logistischen Mitteln. Heute wissen wir, warum wir unseren TCS ETI-Schutzbrief nie gekündigt haben.

Text: Jérôme Lathion
Fotos und Video: Lionel Balmer

Keine Routine

Assistenzmanager Bertrand Grillon, der den Fall der Familie Da Silva in der ETI-Zentrale, Vernier, betreute, berichtet von einer eher seltenen Situation: "Sie tritt im Durchschnitt einmal im Jahr auf. Das Vorgehen bei einer Frühgeburt im Ausland ist klar definiert: die Anmietung eines Krankenwagens bis 500 km Entfernung, darüber hinaus ein Ambulanz-Jet. "Die Rega verfügt über einen Brutkasten und arbeitet mit dem Kinderspital in Zürich zusammen, sodass wir auf spezialisierte Kinderärzte zählen können." Die Ende August gestartete Aktion war aber angesichts der Anzahl beteiligter Partner nicht routinemässig. "Und wir mussten warten, bis das Baby bereit war, etwas frische Luft zu schnappen." Am Ende dauerte es eine Woche.

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