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01.10.2020

Assistenzsysteme sind auch Gefahrenquellen

Notbremsassistent, Müdigkeitswarner oder andere technische Fahrhilfen können heikle Situationen verhindern und im besten Fall Unfälle ermeiden. Solche Systeme können aber auch ihre Tücken haben.
01. Oktober 2020

Der Verkehr auf den Strassen nimmt stetig zu. Im heutigen Strassenverkehr hat es kaum mehr Platz für Unaufmerksamkeiten oder Fehler. Die zu nehmende Komplexität stellt den Menschen im Fahrzeug vor neue Herausforderungen. Fahrerassistenzsysteme sind deshalb angesichts des starken Verkehrsaufkommens ein Segen und können in kritischen Situationen helfen. Doch die moderne Technik kann auch eine Gefahrenquelle sein: Liefern Fahrhilfen zu viele Informationen, überfordern sie den Lenker. Zudem besteht die Gefahr, dass sich die Lenker zu stark an die Helfer gewöhnen und im entscheidenden Moment zu wenig bei der Sache sind. Konzentration im Hinblick auf das Fahrverhalten des Autos und den Verkehr sind nach wie vor wichtig.

Lenker ist Chef im Auto

«Wer technische Fahrhilfen wie Spurassistenten oder Nachfahrtempomaten einsetzt, muss mit ihrer Funktionsweise vertraut sein. Bei äusseren Bedingungen – zum Beispiel schneebedeckter Fahrbahn –, die geeignet sind, deren einwandfreies Funktionieren zu beeinträchtigen, muss er seine Fahrweise so gestalten, dass er die Kontrolle über sein Fahrzeug auch bei einem möglichen Ausfall des Systems behält», entschied das Bundesgericht bereits vor sechs Jahren (Urteil 1C_95/2014). Chef im Fahrzeug ist und bleibt also der Lenker. Nicht auf technische Fahrhilfen kann sich auch berufen, wer auf der Autobahn die geforderten Abstände nicht einhält. Auch wenn ein Fahrzeug mit einem Abstandsregeltempomat mit «Braking guard» und einem Notbremssystem ausgerüstet ist, darf der Mindestabstand nicht unterschritten werden (Urteil 6B_1072/2017).

System ausgeschaltet

Eine grosse Gefahr kann auch ein ausgeschalteter Fahrassistent sein. Dies musste der Lenker eines BMW M6 erfahren. Der Lenker hatte das «Dynamic Stability Control»- System des M6 ausgeschaltet oder – wie zu seinen Gunsten angenommen werde – den für die Rennstrecke
bestimmten «M Dynamic Mode» (MDM) aktiviert. Im Bereich einer Autobahnauffahrt auf einem Beschleunigungsstreifen geriet der Lenker ins Schleudern. Er hatte bei Tempo 130 mit fast voll oder gar voll durchgetretenem Gas pedal beschleunigt. Die Räder drehten durch, und der Lenker verlor die Herrschaft über sein Fahrzeug. Er prallte schleudernd in das Heck eines VW Sharan, der daraufhin seitlich umkippte und auf dem Dach 100 Meter weiter rutschte. Das Bundesgericht (Urteil 6B_405/2020) hat den unerfahrenen Lenker – er hatte das geleaste Fahrzeug erst etwa drei Wochen – zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt. Sein Argument, er habe einem schwarzen Fahrzeug mit Spoiler ausweichen müssen und sei deshalb ins Schleudern geraten, überzeugte die Richter nicht.

 Text: Urs-Peter Inderbitzin, Verkehrsexperte

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