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16.09.2020

Meditative Jurareise mit einem PS

Die leicht hüglige Ajoie im Jura ist wie geschaffen für eine Reise mit Planwagen und Pferd.
16. September 2020

 Jolly Jumper spitzt seine Ohren, bleibt plötzlich stehen, hebt seinen edlen Kopf und wiehert. Was hat er, was ist los? Der sensible und gutmütige Freibergerhengst hat hier im Wald in der jurassischen Ajoie etwas wahrgenommen. Ein paar Sekunden später huscht ein Fuchs über den Waldweg. Die Aufregung währt nur kurz, und nach einem herzhaften «Hü» läuft der Braune im Schritt weiter. Geduldig zieht er den Planwagen in Richtung Pruntrut. Heute Morgen haben wir uns von Jacqueline Noirjean und ihrem tierreichen Hof in Lugnez verabschiedet. Nach einer Nacht im Stroh versorgten wir wie jeden Morgen zuerst das Pferd. Fürs Futter ist die Bäuerin zuständig, für das Wasser und die Fellpflege wir. Als wir uns der Pferdebox nähern, stampft der Freiberger mit den Hufen und gibt uns klar zu verstehen, dass er durstig ist. Dann gibt es auch für uns Frühstück mit lokalen Produkten wie Käse und selbstgebackenem Zopf. Auch das Picknick für die Mittagspause lässt keine Wünsche übrig. Nachdem der Planwagen beladen ist, holen wir Jolly Jumper aus der Box, striegeln ihn und reinigen die Hufe. Nun folgt das Anschirren, Aufzäumen und Anspannen. In der Zwischenzeit wollen sich die Kinder von allen Tieren – von den Wachteln über die Grasfrösche bis zu den Emus – verabschieden. Während die kleinen Kinder es sich im Wagen bequem machen, bediene ich auf dem Kutschbock die Zügel und Bremsen, und die älteste Tochter läuft mit dem Pferd mit. Die dritte Etappe unserer Planwagenferien führt über 15 Kilometer von Lugnez nach Pruntrut zur Ferme du Bonheur.

Lernen und fahren

Die Reise begann in Courtedoux bei David Protti, der seit 20 Jahren seine Freiberger und Planwagen vermietet. Bevor es aber losging, erklärte er vom An- und Abschirren alles über den Umgang mit dem Pferd bis zur täglichen Pflege. Es ist von Vorteil, wenn man sich mit Pferden ein bisschen auskennt. Uns wurde Jolly Jumper zugewiesen, den die Kinder herzlich begrüssten. Unter der Aufsicht von Protti machten wir das Pferd bereit, spannten es vor den Wagen und schon konnte es losgehen. Auf den ersten Metern hinauf nach Mormont begleitete uns der Besitzer und gab die letzten Tipps. Dann waren wir auf uns alleine gestellt – ein zugegeben mulmiges Gefühl, das sich aber mit der Zeit legte. Nach zwei Stunden gemütlicher Fahrt war es Zeit für eine Pause. Auf einer Waldlichtung fanden wir eine geeignete Stelle, spannten und zäumten Jolly Jumper ab und machten ihn an einem Baum fest. Nach dem Tränken bekam er etwas Kraftfutter, und auch wir hatten Pause. Am späteren Nachmittag erreichten wir die Gîte rural La Bergerie in Mormont, versorgten gemäss der Checkliste das Pferd und genossen den Abend mit einer Grillade.

Erlebnis Bauernhof

Am nächsten Tag nahmen wir die 16 Kilometer lange Strecke nach Lugnez in Angriff. Der Morgen war kühl, und es ging mehrheitlich durch die im Jura typischen Mischwälder. Nach der Mittagspause führte die Strecke über offene Felder, und da kamen die Brämen . Das Pferd konnte sich der Blutsauger kaum erwehren, und auch das mitgeführte Insektenschutzmittel nützte wenig. In Lugnez angekommen, erhielt Jolly Jumper nach dem Abschirren seine wohlverdiente Dusche, und danach konnte er sich im Schatten ausruhen. Auf dem Hof von der Familie Noirjean wird einiges geboten. Die Kinder können die zahlreichen Hoftiere bestaunen, auch ausreiten oder beim Füttern mithelfen. Für den grossen Hunger am Abend ist das Restaurant La Rauracienne im Dorf zu empfehlen. Die Pizzen aus dem Holzofen schmecken ausgezeichnet.

Launische Karpfen

Planwagenfahrt Ajoie

 Wir fahren der Allaine entlang, und unser Brauner merkt, dass es in Richtung Zielort geht. Er will ständig in Trab verfallen, was nur mit strengen «Ho»-Kommandos und Zügelzug zu verhindern ist. Die Ferme du Bonheur liegt malerisch am Fluss, und Besitzer Gaby Schenk sowie eine Schar Kinder, die hier Bauernhofferien verbringen, erwarten uns bereits. Jolly Jumper kann sich auf der Weide am frischen Gras laben, und wir ziehen mit Profifischer Christian Theuvenat los in Richtung Karpfenweiher. Doch heute wollen die Schuppentiere nicht beissen, und wir trösten uns mit ein paar kleinen Weissfischen. Das Abendessen im Hinterhof schmeckt ausgezeichnet, und wir legen uns müde und glücklich ins Stroh.

Im Takt der Hufe

Die letzte Etappe zurück nach Courtedoux hält noch eine Herausforderung bereit. Die Fahrt durch Pruntrut. Doch Jolly Jumper meistert auch diese Schlüsselstelle mit Bravour, das auch, weil alle Strecken gut ausgeschildert sind. Ebenfalls befinden sich im Wagen Karten mit den eingezeichneten Routen. So kommen wir wohlbehalten auf dem Pferdehof der Familie Protti an. Das letzte Mal spannen wir unseren Braunen aus, entledigen ihn behutsam vom Geschirr und entlassen ihn mit Wehmut zu seinen Kollegen auf die Weide. Mit Planwagen und Freiberger durch die liebliche Juralandschaft zu ziehen, ist ein fast meditatives Erlebnis. Man hat viel Zeit zum Staunen, und das alles im Takt der Hufe von Jolly Jumper.


Diese Reise wurde durch Eurotrek ermöglicht.

Gut zu wissen

  • Pferdewandern um Pruntrut: vier Tage
  • Strecken: 15 bis 20 Kilometer pro Tag auf Nebenstrassen und Waldwegen
  • Mindestalter: vier Jahre (besser ab acht Jahren)
  • Unterkunft: Bauernhöfe, Schlafen im Stroh, Massenlager oder Hotel
  • Ausrüstung: Outdoorkleider, Wanderschuhe, Schlafsäcke
  • Preis: für zwei Erwachsene und zwei Kinder ab 2150 Fr.
  • Buchung: eurotrek.ch

Text und Fotos: Felix Maurhofer

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