27.11.2018

Wenn es Licht wird in Lausanne

Im Winter zeigt sich die Stadt alles andere als düster. Während eines Festivals setzen Lichtinstallationen Lausanne ganz neu ins Szene.

27. November 2018

Weihnachtsmärkte sind eine wunderbare Sache, doch irgendwann stellt sich das Gefühl ein, dass immer dieselben Christbaumkugeln, Lebkuchen, Kerzen und Filzfigürchen verkauft werden. Ob es nun in Zürich ist, in Feldkirch oder in Witzenhausen, meist kommt auch der Punkt, an dem einen der Geruch an den unzähligen Glühweinständen nicht mehr so behagt. Häufig mehr Fusel als Qualität, lässt einen die Nase wissen. Dann ist es Zeit für eine Alternative, die ebenfalls in Vorfreude auf die kommende festliche Zeit versetzt. Lausanne Lumières wäre so eine Option. 

Gleich ein Erfolg

2012 zum ersten Mal ins Leben gerufen, kamen die über die Innenstadt verteilten Licht installationen gleich gut an. Die Macher hinter dem Festival wollten mit den Kunstwerken auch in der dunklen Jahreszeit zum Träumen anregen und gleichzeitig eine Möglichkeit bieten, Lausanne neu zu ent decken. 2017 war ein Höhepunkt, der die schöne Stadt auf den drei Hügeln noch einmal in einem ganz anderen Licht zeigte. Zwölf Künstler aus der Schweiz, aus Italien, Frankreich, Israel und Grossbritannien begeisterten mit ihren Werken und liessen auch Ecken erstrahlen, die sonst eher nicht wahrgenommen werden. So war der Durchgang der Kirche St. François, den unzählige Passanten täglich nutzen, ohne dem Gemäuer aus dem 13. Jahrhundert auch nur einen Blick zu schenken, plötzlich in Regenbogenfarben erleuchtet.

Auf der Grand-Pont über dem Flon Richtung Hochhaus blickten Einheimische und Touristen auf eine Art prächtiger Kirchenfenster-Rosette des britischen Künstlers Mick Stephenson, die erstmals aus serhalb Grossbritanniens gezeigt wurde. Was auf den ersten Blick nur ein prächtiger Hingucker war, sollte zum Nachdenken anregen. Stephen son hatte «The Rose» aus über 15 000 rezyklierten PET-Flaschen geschaffen. Mehr als 1000 britische Schulkinder halfen mit beim Einfärben der Plastikgefässe. Damit wollte Stephenson an das Projekt «Litre of light» erinnern. Im Rahmen dessen werden mit Hilfe von PET-Flaschen ganze Dörfer auf den Philippinen erleuchtet.

Einmal auf der Brücke nach rechts geblickt, fiel ein roter Elefant auf einem Dach auf. Auch er war ein Stück Recyclingkunst. Der Franzose Bibi schuf ihn aus 592 Plastikkanistern und wollte damit ausdrücken, dass eine Stadt mit all ihren Kreaturen auch immer eine Art Zoo ist. Und ein ständig die Farben wechselnder Lichterbogen machte die sonst so unscheinbare Passerelle, welche über den Flon führt, zu einem wahrhaft zauberhaften Ort. Das französische Künstlerkollektiv Pitaya nannte die Installation Bifrost nach der Regenbogenbrücke, die in der nordischen Mythologie das Bindeglied zwischen Diesseits und der Welt der Götter bildet. Gehört das Raiffeisengebäude im Flon normalerweise nicht zu den spektakulären Gebäuden in Lau sanne, zog es letztes Jahr die Aufmerksamkeit auf sich. «Die Liebe ist gefährlich» stand in fünf Sprachen über dem Eingang. Ständig wechselten die Farben der einzelnen Worte, was zu immer neuen Ansichten führte. Und das waren nur einige Installationen.

Nougat statt Güetzi

Ab 22. November wird Lausanne erneut erstrahlen. Die Macher des Festivals halten sich bis zum Eröffnungstag bedeckt. Bisher ist nur bekannt, dass dieses Jahr rund zehn Werke schweizerischer und französischer Künstler die Innenstadt bis 31. Dezember in Licht und Farbe tauchen. Das wird garantiert wieder eine Reise wert sein. Und wer mehr als nur schauen will, für den könnte sich ein geführter Rundgang lohnen.

Wen es dann doch noch nach Tannenreisig, Hüttenzauber, Kunsthandwerk und Alkohol gelüstet, muss auch in Lausanne nicht darben. Bô Noël heissen die fünf Weihnachtsmärkte in der Stadt. Während an den Ständen auf der Place Pépinet Kindersachen, Zeichnungen oder Design von Künstlern aus der Romandie verkauft werden, steht die Place Saint- François ganz im Zeichen der Kulinarik. Hier kommen die Lausanner nach der Arbeit gerne her, um sich bretonische Crêpes, Austern und ein wenig Champagner oder Nougat aus Montélimar zu gönnen. Das Angebot zeigt, wie sehr Lausanne von Frankreich inspiriert ist. Übrigens bringt hier auch nicht das Christkind die Geschenke, sondern Père Noël.

Wer grossen Hunger hat, dem steht der Iglu an der Place de l’Europe offen. Innen, rustikal wie ein Chalet eingerichtet, gibt’s Fondue. Aber unbedingt reservieren, denn Lausanne Lumières ist ein Publikumsmagnet. 

Text: Juliane Lutz
Fotos: Raphael Hünerfauth 

GUT ZU WISSEN

Lausanne Lumières: 22.11.- 31.12.2018, 6 Uhr bis 9 Uhr, 16.30 bis 24 Uhr

Broschüren zum Festival gibt es im Tourismusbüro und liegen bei den einzelnen Kunstwerken aus. Jeden Donnerstag ab 19 Uhr starten geführte Rundgänge ab der Place de l‘Europe.

festivallausannelumieres.ch

Weihnachtsmärkte Bô Noël: Mo–Di 11.30–21.30 Uhr, Mi–Sa 11–22.30 Uhr, So 13–19 Uhr 

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