30.07.2018

Wenn die Sonne bei Key West im Meer versinkt



30. Juli 2018

Ja, die Kleinstadt im südlichsten Zipfel von Florida ist überlaufen, aber eben auch Kult wegen ihrer Schönheit und des ganz besonderen Lebensgefühls. Also, nichts wie hin.

Lockere Sitten

Key West - Sloppy Joe's Bar

Die wunderschöne Altstadt und die lockere Atmosphäre in dem vom Meer umgebenen Bijou am Ende der Inselkette Florida Keys ziehen die Massen an. Die meisten kommen, um Spass zu haben, also ausgedehnt um die Häuser ziehen. Das kann man in dem ehemaligen Seeräubernest, dessen Bewohner im 19. Jahrhundert mit dem Plündern von Schiffswracks steinreich wurden, besonders gut. Hier ging es immer freier zu als anderswo. Bier und Whiskey flossen noch in Strömen, als in den USA zwischen 1920 und 1933 die Herstellung und der Verkauf von Alkohol verboten waren. 

Um die 200 Bars buhlen heute auf engstem Raum um Kundschaft. Im Sloppy Joe’s drängen sich die Touristen auf den Spuren von Ernest Hemingway, der hier gerne trank. Schon am Nachmittag ist die Gegend um die Duval Street bevölkert. «Nicht immer ging es friedlich zu», sagt Bruce von Key Lime Bike Tours, der Touristen begeistert seine Wahlheimat zeigt. Um die Ecke in der Caroline Street kam es in den 1940er und 1950er Jahren täglich zu Schlägereien; meist waren es Matrosen, die zu viel gebechert hatten.

Drama unter Palmen

Key West war nicht nur Tummelplatz von Seeleuten und Freigeistern, sondern auch von Künstlern. Wenn der bereits erwähnte Hemingway nicht im Sloppy Joe’s Hof hielt, schrieb er oder fischte. Von 1928 bis 1939 kam er oft und besass lange ein Haus, das heute ein beliebtes Museum ist. Dort sollen noch Nachkommen seiner Katzen leben. 

Tennessee Williams arbeitete sich über 40 Jahre bis zu seinem Tod 1983 in der tropischen Atmosphäre an seinen Dämonen ab. Angeblich hat er «Endstation Sehnsucht» im Hotel La Concha vollendet. In der 513 Truman Ave gibt es eine Ausstellung über sein Leben. 

Und Folkmusik-Ikone Jimmy Buffett singt noch immer regelmässig hier. Wer möchte, kann am südlichsten Punkt der USA sehr gut Party und Kultur verbinden. Die besondere Architektur, Conch Style genannt, ist ein weiterer Trumpf von Key West. Unzählige alte Holzhäuser mit kunstvoll geschnitzten Veranden, eines schöner als das andere, sind es wert, beachtet zu werden. Weiss oder pastellfarben gestrichen, besitzen sie meist einen tropischen Garten. «Die Liebe zur Farbe brachten Einwanderer von den nahen Bahamas mit», sagt Bruce. Und die eingewanderten Kubaner, die Insel ist nur 90 Meilen entfernt, hätten die Holzschnitzerei eingeführt.

Insel im Meer

Dry Tortugas National Park
© Rob O'Neal Florida Keys News Bureau

Key West, umgeben vom Golf von Mexiko und vom Atlantik, ist der Ausgangspunkt für Touren aufs Meer. Etwas Geduld braucht, wer die 70 Meilen entfernten Dry Tortugas besuchen will: sieben Mini-Inseln, die ein Nationalpark sind. Zweieinhalb Stunden fährt das Schiff Yankee Freedom Richtung Westen, bis plötzlich aus dem Nichts ein riesiges Fort auftaucht. Im 19. Jahrhundert von der amerikanischen Armee zum Schutz ihrer Küste auf einer der Inseln erbaut, bot Fort Jefferson Platz für 1500 Leute und 450 Kanonen. «Aus denen nie ein Schuss abgegeben wurde», sagt Crewmitglied Greg, der erzählt, wie schrecklich das Leben für Soldaten und Gefangene war: Gestank aus den Wassergräben, verdorbene Lebensmittel und tödliches Gelbfieber.

Zurück in Key West ist das Bewundern der fast schon kitschig schönen Sonnenuntergänge festes Ritual. Jeden Abend versammeln sich die Massen am Mallory Dock und beklatschen die dramatischen Färbungen des Himmels, die man von der Dachbar des Margaritaville Resorts besonders gut beobachten kann.

Hollywoodreif

Key West ist der Star unter den 200 Key-Inseln, doch auch auf dem dreistündigen Weg zurück nach Miami, der über 42 Brücken führt, gibt es einiges zu sehen. Im Dolphin Research Center in Grassy Key erleben Besucher, wie Delfine und Seelöwen – meist gerettete Tiere – lernen und spielen. Historische Tauchmaschinen und mehr bietet das kleine History of Diving Museum auf Islamorada. Auch zwischen Key West und Miami geht die Sonne filmreif unter. Logenplätze bieten das Fischrestaurant Marker 88 und die Institution Hungry Tarpon. 

Eine Stunde vor Miami lohnt noch ein Stopp in Key Largo. Dort fährt die original «African Queen», das Holzboot aus dem Film mit Humphrey Bogart, Touristen durch die Wasserstrassen. Ein Ausflug auf dem 1912 für Ingenieure der British East Africa Railway gebauten Schiff ist ein schöner Abschluss einer Reise auf die Keys.


Reportage: Juliane Lutz

Karte Key West Floridazoom

GUT ZU WISSEN

Wohnen: Margaritaville Key West Resort & Marina: Der Tipp: sehr zentral, hübsche Zimmer, Dachbar mit Aussicht

Essen und Trinken: Latitudes: Spitzenrestaurant auf der Privatinsel Sunset Key, ein Erlebnis 

First Flight: gutes Essen im schönen Innenhof

Angebote: Fury Water Adventures: Delfinbeobachtungs- und Schnorcheltouren 

Dry Tortugas: Die Yankee- Freedom-Fähre steuert Fort Jefferson an.

Übrige Keys: Lighthouse Grill at Faro Blanco Resort, Marathon: gut und üppig Amara Cay Resort, Islamorada: sehr empfehlenswertes schickes Strandhotel 

Sundowners, Key Largo: Seafood und tolle Drinks

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