07.08.2019

„Wer Fachkenntnis und Leidenschaft vermittelt, bei dem wird gebucht“

Kenny Prevost leitet bei Travelhouse die Abteilung Sports. Er sagt im Interview, warum organisierte Touren und Reisebüro-Knowhow auch in digitalen Zeiten nicht ausgedient haben und welche Art von Sportreisen gerade boomen

07. August 2019
«C’est en faisant preuve d’expertise et de passion qu’on attire les clients»
Kenny Prevost continue d’étendre le segment des voyages sportifs chez Travelhouse.

Herr Prevost, im Internet findet doch jeder, was er braucht – was bewegt Leute noch dazu, eine organisierte Reise zu buchen?
Sie buchen dann, wenn ein Veranstalter grosse Erfahrung, viel Fachkenntnis sowie eine grosse Portion Leidenschaft für eine Destination hat und all dies den Kunden im Reisebüro oder im Telefongespräch entsprechend vermittelt wird. Ein weiteres Plus ist eine gute Bedürfnisabklärung der Experten im Reisebüro: Herausfinden, was der Kunde überhaupt will. Ist er lieber leger unterwegs oder fühlt er sich doch in sehr guten Hotels wohler? Und ihm dann die passenden Angebote machen, auf die er selbst gar nicht kommen würde. Natürlich können Reiseexperten auch schnell und gut einschätzen, was mit welchem Budget überhaupt möglich ist.

Wie hält man heute Kunden?
Kunden wollen wahrgenommen werden. Deshalb genügt es nicht, nur die Rechnung zu schicken. Man muss proaktiv auf sie zugehen und sie beispielsweise zu einem Workshop einladen, der vielleicht gerade zu einem bestimmten Land stattfindet, das sie interessieren könnte. Die Kontaktaufnahme nach der Rückkehr ist ebenfalls wichtig: Sich bei den Leuten erkundigen, wie ihnen die Reise gefallen hat. Und auch die Courage besitzen, sie zu fragen, ob sie schon über die nächsten Ferien nachdenken und wie man dabei behilflich sein kann.

In Reiseblogs und auf Plattformen wie Trip Advisor erhalten Leute gratis Informationen. Denken denn nicht viele, dass sie sich deshalb das Reisebüro sparen können?
Bei Reisen, die einfach zu organisieren sind, genügen Informationen aus diesen Quellen. Sind Kunden aber bereit, mehr Geld auszugeben, ist der Rat von Fachleuten gefragt, die sich vor Ort wirklich auskennen. Die beispielsweise sagen können, ob man diese oder jene Tour durch Namibia oder Botswana selbst mit dem Camper befahren kann. Oder sich doch besser für eine organisierte Tour entscheidet.

Travelhouse hat den Sportferienbereich stark ausgeweitet. Warum boomt dieses Segment gerade jetzt so? Schweizer waren doch immer schon sportlich.
Was den Golfsport angeht, besteht ein grosses Interesse an organisierten Reisen. Zum einen sind das eine Art Trainingswochen, wo unter der Anleitung eines Pros das Spiel verbessert wird. Zum anderen gibt es viele Golffans, die ein gewisses Niveau erreicht haben und nun auf den schönsten Plätzen der Welt spielen wollen. Auch da ist Expertise gefragt. Möchte man wirklich 760 Dollar für eine Runde auf dem Pebble Beach Golfplatz hinlegen? Dabei gehört der Platz von Spanish Bay quasi um die Ecke ebenfalls zu den schönsten Golfanlagen der Welt und kostet nur 350 Dollar. Ähnliches trifft auf Heliskiing zu. Wenn jemand bereit ist, für eine Woche im Schnee 12000 Franken auszugeben, dann will er von jemandem, der in diesem Bereich viel Erfahrung hat, hören, ob er sein Geld besser in den USA, in Kanada, in Japan oder sonst wo ausgibt.

Sie sind auch zu Travelhouse gekommen, um die Sparte Heliskiing weiter auszubauen. Steht das Thema nicht völlig im Widerspruch zu Flugscham und Umweltschutz?
Reisen und Nachhaltigkeit ist per se ein Widerspruch. Aber die Nachfrage nach Heliskiiing-Angeboten ist vorhanden, deswegen bieten wir dies auch unseren Kunden an. Zudem raten wir, die Flüge über myclimate zu kompensieren.

Heliskiiing in Indien, Golfspielen in Japan. Viele Ihrer Angebote tönen sehr speziell. Wer leistet sich das?
Kunden, die eine Golfreise nach Japan buchen, sind meist männlich und über 45. Auch einige Paare sind darunter. Und sie verfügen über ein gutes Einkommen. Bei den Heliskireisen dagegen sind alle Alters- und Bevölkerungsschichten vertreten: Vom gut betuchten Vater, der sich mit dem 18-jährigen Sohn dieses Abenteuer gönnt bis zum jungen Schreiner, der ein paar Jahre auf eine derartige Reise spart, weil er dies einmal erleben will. Ich hatte auch schon das Vergnügen mit einem 75-jährigen Herrn eine Heliskitour zu machen. Er fuhr übrigens im selben Tempo wie ich.


Interview: Juliane Lutz Fotos: Travelhouse

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