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10.02.2020

Die falsche Spur erwischt

Jährlich gibt es über 90 Meldungen von Falschfahrern. Drogen und Wendemanöver sind die häufigsten Ursachen.
10. Februar 2020

Trotz hohem Unfallpotenzial sind tödliche Unfälle selten

Achtung! Auf der A6 kommt Ihnen zwischen Thun und Bern in Richtung Bern ein Falschfahrer entgegen, fahren Sie vorsichtig, bleiben Sie rechts, und überholen Sie nicht.» Diese Radiomeldung schreckt auf, und Autofahrer fragen sich, wie es zu diesen Falschfahrten kommt.

Die nationale Verkehrszentrale Viasuisse strahlte 2018 93 Geisterfahrermeldungen aus. Laut Bundesamt für Strassen (Astra) ereigneten sich im 2018 sechs Unfälle mit Falschfahrern (siehe Tabelle). Das sind im Durchschnitt 0,01 Prozent aller Unfälle auf Autobahnen. Bei den Falschfahrern handelt es sich mehrheitlich um Personenwagen. Am häufigsten betroffen sind die Autobahnabschnitte A16 Biel–Tavannes, A6 Interlaken–Bern, A13 Sargans–Chur und A5 Solothurn–Biel. 

Oft sind Drogen im Spiel

Aber warum geraten Lenker auf die falsche Fahrbahn? Analysen zeigen, oft sind Drogen im Spiel oder unerlaubte Wendemanöver. Weiter erwischen auch ältere Autofahrer bei Nacht die falsche Einfahrt. Da kommt die Frage auf, ob die Signalisation verbessert werden müsste. Diesbezüglich hat das Astra bei den rund 420 Autobahnanschlüssen, 100 Rastplätzen und 40 Raststätten einiges unternommen. Laut Astra-Mediensprecher Thomas Rohrbach wurde die Anzahl der Einfahrtverbotssignale und auch die der Richtungspfeile verdoppelt. Zudem habe man für die Richtungspfeile spezielle Antirutsch-Markierungsfarbe verwendet. Man wolle schliesslich mit den grösseren Pfeilen kein Unfallrisiko für Motorräder generieren, so Rohrbach. Weitere Massnahmen wie Pneuschlitzer oder automatische Radarsysteme für Falschfahrer hätten sich nicht bewährt und stünden in einem Missverhältnis zu den Vorkommnissen.

Unfälle mit Falschfahrern

Jahr Meldungen Unfälle Verletzte Getötete

2013

104

13

8

 0

2014

123

8

4

 1

2015

90

4

3

 0

2016

96

5

4

 1

2017

96

8

8

 2

2018

93

6

2

 0

Jahr

2013

Meldungen

104

Unfälle

13

Verletzte

8

Getötete

 0

Jahr

2014

Meldungen

123

Unfälle

8

Verletzte

4

Getötete

 1

Jahr

2015

Meldungen

90

Unfälle

4

Verletzte

3

Getötete

 0

Jahr

2016

Meldungen

96

Unfälle

5

Verletzte

4

Getötete

 1

Jahr

2017

Meldungen

96

Unfälle

8

Verletzte

8

Getötete

 2

Jahr

2018

Meldungen

93

Unfälle

6

Verletzte

2

Getötete

 0

Quelle: Astra und Viasuisse

Falschfahrer stoppen

Bei der Kantonspolizei Bern gehen immer wieder Meldungen zu Falschfahrern ein. In den meisten Fällen könne die Polizei aber keine Falschfahrer feststellen, sagt Mediensprecherin Jolanda Egger. Oft komme es vor, dass ein Falschfahrer unterwegs gewesen war, der aber noch vor dem Eintreffen der Einsatzkräfte wenden und wegfahren konnte. Im Ernstfall habe die Polizei zwei Vorgehensweisen: Die Streife fährt auf der korrekten Seite und versucht mit akustischen und visuellen Signalen den Falschfahrer zum Anhalten zu bewegen. Konkret heisst das, die Polizei schaltet Wechselklanghorn und Blaulicht ein und spricht den Falschfahrer mit Durchsagen über die Aussenlautsprecher an, um ihn so zum Stoppen zu bringen. Oder Geisterfahrer und Polizeiauto befinden sich auf derselben Fahrbahn und fahren aufeinander zu. Die Polizei verursacht dann einen künstlichen Stau. Das heisst, die Einsatzkräfte bremsen alle Fahrzeuge hinter sich bis zum Stillstand ab. Dann wird das Polizeiauto als Rammschutz auf der Fahrbahn platziert. Auch hier werden Blaulicht und Wechselklanghorn eingeschaltet, um den herannahenden Falschfahrer möglichst frühzeitig auf sich aufmerksam zu machen. Als weitere Massnahme würden auch das Verkehrsleitsystem und die Signale in Tunnel zur Warnung von Falschfahrern benutzt, sagt Frau Egger.

Harte Konsequenzen für Fahrer

Bei einer Falschfahrt handelt es sich um eine schwere Verkehrswiderhandlung, die die Polizei bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige bringt. Über das Strafmass entscheidet die Justiz. Darüber hinaus hat eine Falschfahrt in der Regel die Abnahme des Führerausweises zuhanden der Administrativbehörde zur Folge. Diese wiederum entscheidet in der Folge über die Dauer des Entzugs, wobei das Gesetz in solchen Fällen eine Mindestentzugsdauer von drei Monaten vorsieht.

Cloudbasierte Falschfahrerwarnung

Bosch hat eine App entwickelt, die Falschfahrer und die anderen Verkehrsteilnehmer warnt. Nähert sich ein Auto der Autobahnein - oder -abfahrt, sendet das System automatisch die anonymisierten Daten an eine Cloud. Die aktuelle Bewegung des Fahrzeugs wird nun mit der erlaubten Fahrtrichtung, die in einer internetbasierten Datenbank hinterlegt ist, verglichen. Bei unzulässigen Abweichungen wird der Fahrer unverzüglich auf seine Falschfahrt aufmerksam gemacht. Die Cloud gibt die Warnung zudem sofort an alle vernetzten Verkehrsteilnehmer im Gefahrenbereich weiter. Mit Verlassen des Auffahrbereichs wird die Kommunikation mit der Cloud wieder unterbrochen.

Text: Felix Mauerhofer
Foto: Adobestock

TIPPS

  • Hören Sie Radio, und schalten Sie die Verkehrs­ meldungen immer ein. 
  • Falls eine Meldung über einen Geisterfahrer erfolgt, befolgen Sie die Empfehlungen (rechts fahren, nicht überholen).
  • Melden Sie unverzüglich der Polizei, falls Sie einen Geisterfahrer sichten.
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