25.09.2018

Datenkrake Auto - Wie Daten gesammelt werden


25. September 2018

Wissen Sie, wie oft Sie Ihren Autositz verstellen oder wann Sie zuletzt abrupt gebremst haben? Nein? Ihr Autobauer weiss es ganz sicher. Die Hersteller sind zu Datensammlern geworden.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden in der Schweiz 157 910 neue Autos in Verkehr gesetzt. Die meisten davon sind sogenannte «Connected Cars», also vernetzte Autos, in denen sich bis zu 200 Sensoren befinden. Durch die verbaute SIM-Karte sind Datentransfers von mehreren Gigabyte pro Stunde möglich. Und diese Daten fliessen bislang exklusiv an die Autobauer. Der Autofahrer wird so zum gläsernen Kunden. Jedoch wissen die wenigsten, welche Daten da von ihnen gesammelt und ausgewertet werden. Und es wird eine riesige Menge an Daten gesammelt, wie der Deutsche Automobilclub ADAC und unlängst auch der TCS herausgefunden haben. Und dies obschon jeweils nur ein kleiner Teil aller tatsächlich gesammelten und gespeicherten Daten ans Licht kam. Sicher, viele Daten sind technischer Natur und dienen der Sicherheit auf der Strasse, es fallen aber auch sogenannte «Nutzerdaten» an. Dieses sensible Datenmaterial ist auch dazu geeignet, den Fahrstil des Lenkers zu analysieren und das Bewegungs- und Nutzungsprofil des Fahrzeugs zu erstellen.

Der TCS fordert die Datensicherheit

Datenkrake - wie Daten im Auto gesammelt werden

Diese «Nutzerdaten» können in bare Münze umgewandelt werden – nicht immer zum Vorteil des Fahrzeughalters. So können zum Beispiel Leasinggesellschaften oder Versicherungen aufgrund präzise aufgezeichneter Gas- und Bremspedalstellungen nach Unfällen Leistungen kürzen. Oder: Wer (zu) oft mit hoher Motordrehzahl unterwegs ist, oder oft stark bremst, könnte bald als Risikofahrer eingestuft werden. Zudem können Hersteller «ihre» Autos zur Wartung in ihre Vertragswerkstätten lenken. Der TCS fordert deshalb einen freien Zugang, Datensicherheit und eine Datenhoheit, die beim Autobesitzer und nicht beim Hersteller liegt. 

Die gesammelten Daten

Fehlerspeicher

Merkt sich Ausfälle, Betriebsfehler und ungewöhnliche Manöver inkl. Km-Stand und Tempo. 

Multimedia

Handy-Kontakte können übertragen und ausgelesen werden. CD-Wechsel werden gezählt.

Motor

Fahrzeiten auf Autobahn, Landstrasse und in der Stadt werden getrennt erfasst

Software

Per Mobilfunk kann die Programmierung verändert und eine Ferndiagnose durchgeführt werden.

Navigation

Teils im Minutentakt sendet das Auto Positionsdaten, nicht nur an die Hersteller, auch an Internet-Riesen wie Google oder Apple. Park-Standorte und eingegebene Navi-Ziele werden gespeichert.

Sitzposition

Veränderungen der Sitzeinstellung werden registriert – und damit jeder Fahrerwechsel.

Airbag

Bei einem Unfall speichert das Steuergerät Tempo, Gas- und Bremspedalstellung.

Assistenzsysteme

Was immer sie tun und bewirken – das Auto merkt es sich, meist mit dazugehörigem Km-Stand.

Die verschiedenen Datenverwalter

Fahrer

Die Forderung von Datenschützern ist eindeutig: Der Fahrer muss leicht und vollständig kontrollieren können, ob und wohin Daten aus seinem Fahrzeug gesendet werden. 

Unabhängige Instanz

IT-Sicherheit und Einhaltung der Datenschutzbestimmungen sollten von neutraler Stelle geprüft werden. Dadurch erhalten Hersteller und Dienstleister die für sie relevanten Infos und der Kunde Einsicht.

Hersteller

Die Autobauer können mit Fahrzeugdaten z. B. den Zustand von Verschleissteilen ermitteln oder Wartungsintervalle steuern. Zudem helfen Daten dabei, Bauteile zu verbessern.

Mögliche Verwendung der gesammelten Daten

Freie Werkstätten 

Markenungebundene Garage dürfen - auch während der Garantiezeit – Inspektionen durchführen. Dazu brauchen sie Autodaten.

Markengaragen

Vertragswerkstätten dürfen laut EU-Verordnung bei Wartung und Service keine Monopolstellung haben.

Behörden

Zur Aufklärung von Unfällen, Diebstählen oder anderen Straftaten können Fahrzeugdaten für Ermittler hilfreich sein.

Dienstleister

Service-Unternehmen wie Prüfdienste oder Automobilclubs sind auf Fahrzeugdaten angewiesen.

Versicherung

Immer häufiger bieten Versicherungen Tarife an, die defensive Fahrweise belohnen – Grundlage sind Aufzeichnungen aus dem Auto.

Kartendienste/Apps

Anonymisierte Positionsdaten helfen, zuverlässige Verkehrsinfos, Staumeldungen oder Unwetterwarnungen zu liefern.

Text: Dino Nodari
Illustration: Nicolas Kristen

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