23.10.2017

Die Dieselaffäre zieht immer weitere Kreise

Schummelsoftware, NOx-Ausstoss, drohende Fahrverbote und Eintauschprämien: Dieselfahrer haben es im Moment nicht leicht.


Schummelsoftware, NOx-Ausstoss, drohende Fahrverbote und Eintauschprämien: Dieselfahrer haben es im Moment nicht leicht.

23. Oktober 2017

Damals wurde die VW Softwareschummelei aufgedeckt. Inzwischen ist klar, dass diverse Autohersteller in Bezug auf die Stickoxid-Emissionen stark «optimiert» haben. Ein Skandal also mit vielen Facetten und Verstrickungen. Obschon seit Jahren bekannt ist, dass die die Hersteller die Verbrauchsund Emissionsvorgaben oft nur auf dem Prüfstand erreichen, haben die zuständigen Behörden nur ungenügend reagiert. Inzwischen wird zögerlich, doch immerhin gehandelt.

Auch die Hersteller sind in der Pflicht, dringendst für saubere Dieselmotoren zu sorgen. Gelackmeiert sind die Dieselbesitzer, die wahrscheinlich mit Wertzerfall ihres Autos und Fahrverboten rechnen müssen. Der TCS wird sich für seine Mitglieder einsetzen.

Share Funktionen:

Fünf Fragen und Antworten vom TCS für betroffene Autofahrer

1 - Was soll ich als Halter eines Diesels jetzt tun?

Durch die zahlreichen Wendungen in Sachen Dieselgate in den letzten Monaten in der Schweiz und vor allem in Deutschland ist die Situation unübersichtlich geworden. Grundsätzlich gilt
es festzuhalten: Nur Inhaber von Autos, die nicht den Zulassungsnormen entsprechen (weil diese Fahrzeuge über eine Schummelsoftware verfügen), müssen handeln. In der Schweiz sind das derzeit etwa 175 000 Fahrzeuge der VW-Gruppe (VW, Audi, Skoda, Seat), die mit dem EA189-Motor (Euro 5) ausgestattet sind und für die es seit September 2015 einen Rückruf gibt. Wird das Software-Update nicht durchgeführt wird, können die Behörden die Zulassung für diese Fahrzeuge eventuell aussetzen. Es empfiehlt sich daher, dass die Inhaber diesem Rückruf Folge leisten.

2 - Und alle anderen Diesel-Besitzer?

Die müssen nichts tun. Ihr Fahrzeug wurde nach den geltenden Normen ordnungsgemäss zugelassen und kann daher im In- und Ausland fahren. Es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass andere Marken oder Fahrzeugmodelle ebenfalls zurückgerufen werden müssen – wie der Porsche Cayenne (3 l) –, weil ihr Motor ebenfalls mit der Schummelsoftware ausgeliefert wurde. Und: Alle Fahrer, egal ob sie ein Fahrzeug mit Dieseloder Benzinmotor haben, müssen die Kriterien von Umweltzonen einhalten, die in mehreren europäischen Städten und Agglomerationen, insbesondere insbesondere in den Nachbarländern Deutschland, Frankreich und Italien etabliert wurden. Es ist daher ratsam, sich vor einer Reise zu informieren.

3 - Können auch Schweizer Kunden von Eintauschprämien profitieren?

Die Eintauschprämien sind eine der in Deutschland zwischen den Herstellern und der Regierung vereinbarten Massnahmen zur Verringerung des Luftverschmutzung. Bei unserem nördlichen Nachbarn werden Schadstoffgrenzwerte bei den Stickoxiden regelmässig und massiv überschritten. Dies ist in der Schweiz sehr selten der Fall, zudem gelten in der Schweiz noch strengere Grenzwerte. Die Situation ist daher nicht vergleichbar. Solche Eintauschprämien machen auch in der Schweiz Sinn, um die Erneuerung der ältesten Fahrzeugflotte (Euro 1 bis 4 Normen) durch umweltfreundlichere Modelle zu begünstigen. Mehrere Hersteller bieten solche Prämien bereits in der Schweiz an. Am besten einfach anfragen – oder verhandeln. 

4 - Was bedeutet es, wenn mein Leasing für den Diesel noch läuft?

Eine allgemeingültige Antwort ist hier schwierig, da es mehrere Formen des Leasings gibt. Hierzu muss der unterschriebene Vertrag genau gelesen werden. Allerdings gibt es in diesem Zusammenhang zwei wichtige Punkte, die grundsätzlich alle Leasingverträge betreffen. Erstens: Leasing ist ein Vertrag mit Laufzeit für die Finanzierung und Bereitstellung eines Fahrzeugs. Der Leasingnehmer ist nicht der Eigentümer des Fahrzeugs und kann daher nicht einseitig entscheiden, etwa das Auto zu wechseln oder ohne happige Sanktionen aus dem Vertrag auszusteigen. Allerdings hindert ihn nichts daran, mit seinem Leasing-Institut zu diskutieren und zu verhandeln. Zweitens: Der Leasingnehmer ist für die Wartung und Instandhaltung des Fahrzeugs verantwortlich. Er ist daher verantwortlich für die Einhaltung der regelmässigen und vorgeschriebenen Services und für die von den Behörden oder dem Hersteller empfohlenen Rückrufe.  Grundsätzlich ist es auch Sache des Leasingnehmers, die Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Verkäufer oder dem Hersteller geltend zu machen.

5 - Wie steht es um die Möglichkeit, sich einer Sammelklage anzuschliessen?

Der schweizerische Rechtsweg kennt das System der Sammelklage nicht. Der Geschädigte, der beabsichtigt, seine Rechte vor dem Gericht einzufordern, muss individuell zur Tat schreiten und seinen Schaden konkret nachweisen, was zum gegenwärtigen Zeitpunkt kaum möglich ist. Zurzeit werden von verschiedenen Seiten diverse Kollektivmassnahmen gegen VW in der Schweiz, den Niederlanden und in Deutschland mit dem Ziel angestrengt, mit VW eine einvernehmliche Lösung zu finden. Inwiefern solche Aktionen zielführend sind und Erfolgsaussichten haben, ist schwierig abzuschätzen.

Seine Rechte geltend machen

Falls Sie ein Problem mit dem Software-Updates ihres Fahrzeuges bemerken, so sollten sie es der Amag oder ihrem Fahrzeugverkäufer unverzüglich schriftlich melden (Mängelrüge). Weitere Informationen und Musterbriefe finden Sie hier.

Eine Kopie der Mängelrüge kann zudem an die Mobilitätsberatung des TCS gesendet werden. Die Homepage der Amag listet ausserdem die Voraussetzungen auf, die erfüllt werden müssen, um von den vertrauensbildenden Massnahmen zu profitieren.

Angebote des TCS

Social Media
Newsletter
Apps
Touring Magazin