28.03.2018

Osterstau: Warum langes Sitzen im Auto gefährlich werden kann



28. März 2018

Reisethrombose ist den meisten Menschen als wenig willkommener Nebeneffekt von Flugreisen bekannt – doch auch auf langen Autofahrten kann der Blutstau in den Beinen einsetzen.

Der Stoffwechsel verändert sich bereits nach 20 Minuten, die Liste negativer Auswirkungen beim Sitzen ist lang: Langes Sitzen ermüdet die Muskeln, erhöht das Schlappheitsgefühl, senkt die Konzentration, vermindert die Durchblutung, beeinträchtigt die Atmungs- und Verdauungsorgane, verursacht Durchblutungsstörungen in den Beinen und sorgt für häufige Verspannungen in Nacken- und Rückenmuskulatur.

Bei langen Autofahrten kann das stundenlange Sitzen in derselben Position die ausreichende Durchblutung der Beine behindern und in schlimmen Fällen sogar zu einer lebensgefährlichen Thrombose führen. Stark erhöht ist die Thrombose-Wahrscheinlichkeit bei Personen, welche schon einmal eine Venenthrombose hatten, bei Menschen mit Übergewicht, einer erblich bedingten erhöhten Blutgerinnungsneigung oder mit eingegipsten oder geschienten Beinen.

Als sehr wirkungsvoll haben sich Kompressionsstrümpfe erwiesen, welche bis unter das Knie reichen. Sie üben einen leichten Druck auf den Unterschenkel aus, wodurch der Blutfluss zum Herzen unterstützt wird. Ausserdem helfen Kompressionsstrümpfe auch gegen Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe.

Des Weiteren hilft auch Bewegung, da ein Mangel derselben schliesslich die Ursache von Thrombosen darstellt. Bei Autofahrten kann es helfen, die Waden regelmässig und kräftig zu massieren. Dabei sollten die Bewegungen immer von den Knöcheln zu den Knien gehen, um die Venen in Richtung Herz zu leeren. So oft wie möglich sollten ausserdem ab und zu die Beine ausgestreckt werden.

Und bei langen Autofahrten mit Staus erleichtern ausreichende Pausen und die richtige Sitzhaltung die Reise. Die Sitzfläche sollte zwei bis drei Fingerbreit vor der Kniekehle enden, damit die Blutzirkulation in den Beinen nicht behindert wird. Bei stundenlangen Fahrten wird die Wirbelsäule durch die dauerhaften Vibrationen belastet – gönnen Sie sich Pausen.  

Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor Universitäres Notfallzentrum Inselspital (Universitätsspital Bern), zum Thema Thrombose. 

Herr Exadaktylos, wer ist besonders für eine Thrombose gefährdet?

Erhöht ist die Thrombose-Wahrscheinlichkeit auf langen Reisen bei Personen, welche schon einmal eine Venenthrombose hatten, bei denen Venenthrombosen bei Blutsverwandten vorgekommen sind oder bei Personen, die an Blut-, Herz- und Krebskrankheiten oder starkem Übergewicht leiden. Kurz zurück liegende Operationen erhöhen auch das Risiko. Übermässiger Alkoholkonsum am Vortag, zu viel Koffein oder generell zu wenig Flüssigkeit können das Risiko auch erhöhen. 

Nach wie vielen Stunden ununterbrochenem Sitzen im Auto setzt das Risiko ein, eine Reisethrombose zu bekommen?

Viele Faktoren spielen eine Rolle, daher kann man das nicht generell beantworten. Aber bei gesunden Reisenden und einer Reisedauer von unter vier Stunden kommt es nur sehr selten zu Venenthrombosen. 

Wie bemerkt man eine Thrombose?

Am häufigsten sind Verstopfungen der tiefen Venen in der Wade. In der Regel fühlt man einen Spannungsschmerz und diese schwillt einseitig an und ist etwas fester als die andere Wade. Der Schmerz und das Schweregefühl verschwinden auch nicht nach Bewegungen oder Massagen. 

Ab wann sollte man zum Arzt oder gar auf den Notfall?

Wenn das passiert, was oben beschrieben ist, oder wenn man sich nicht sicher ist, dann sollte man zum Arzt. Hat sich ein Blutpfropfen losgerissen, kann dieser in die Lungengefässe gelangen und diese verstopfen. Es kommt dann zu Brustschmerzen und Atemnot. Dies ist ein absoluter Notfall.

Wie wird die Thrombose behandelt?

Bei Venenthrombosen, welche beispielsweise nur den Unterschenkel betreffen, werden blutverdünnende Medikamente gegeben. Bei Venenthrombosen, welche sich aber über das ganze Bein und noch weiter in die Leiste oder den Bauchraum erstrecken, kann sogar eine Operation nötig sein. 

Ist die Thrombosegefahr auch während des Schlafens erhöht? Immerhin bewegen wir uns sechs bis zehn Stunden nicht vom Fleck.

Im Schlaf bewegen wir uns mehr als wir denken, eine Thrombose ist unwahrscheinlich. 


Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: mdtcsch

Inselspital Bern

Dieser Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor Universitäres Notfallzentrum Inselspital (Universitätsspital Bern), realisiert.

www.insel.ch

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