K.-o.-Tropfen im Getränk

K.-o.-Tropfen sind regelrechte Gift-Cocktails. Der Notfallarzt mahnt zur Vorsicht.


Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos rät: «Im Zweifelsfall seine Getränke immer selber an der Bar abholen und nie aus der Hand oder den Augen lassen.»

Herr Exadaktylos, was macht K.o.-Tropfen so gefährlich?
K.-o.-Tropfen oder K.-o.-Pillen haben gemeinsam, dass man in der Regel nicht genau weiss, wie sie chemisch zusammengesetzt sind. Die Substanzen wirken schnell, verursachen in der Regel einen Verlust des Kurzzeitgedächtnisses und sind kaum nachweisbar. Ursprünglich handelte es sich um auf Gammahydroxybuttersäure basierende Substanzen, auch bekannt als Liquid Ecstasy.

Und wie wirkt das?
In kleiner Dosis wirken sie stark euphorisierend, angstlösend und sexuell enthemmend. In erhöhter Dosis führen sie bis hin zur Ohnmacht. Weil diese Substanzen weitgehend geschmacksfrei sind, kann man sie Getränken unbemerkt beimischen. Es kommen ständig neue Kombinationen auf den Markt, welche sich als «lustige» Pillen oder Tropfen tarnen. Den Produzenten sind bei der «kriminellem Kreativität» keine Grenzen gesetzt.

Wie behandeln Sie Opfer von K.-o.-Tropfen?
Es gibt kein Standard-Opfer. Die Probleme reichen von Wahnvorstellungen, Panikattacken und Angst um die sexuelle und körperliche Integrität, bis hin zum Koma oder Atem- und Herzproblemen. Da es keine direkte Gegenmittel gibt, ist es unsere Aufgabe, die Symptome zu behandeln und Schlimmeres zu verhindern. Manchmal sogar auf der Intensivstation.

Können K.-o.-Tropfen lebensgefährlich sein?
Vor allem zusammen mit viel Alkohol, zu viel Koffein oder anderen Drogen, auch sogenannte Partydrogen, kann der Mix hochgefährlich werden. Da werden ganze Apothekenschränke zusammengemixt, ohne Rücksicht auf Verluste.

Wie lange sind K.-o.-Tropfen im menschlichen Körper nachweisbar?
Unterschiedlich lange. Oftmals ist das Teuflische daran, dass die «Chemiebomben» im Körper nicht mehr nachweisbar sind, wenn sich das Opfer beginnt an das Geschehe zu erinnern und ins Spital kommt.

Die kurzfristige Folge der Einnahme von K.-o.-Tropfen ist unter anderem ein Blackout. Kann es schon bei einmaliger Einnahme auch zu langfristigen körperlichen Schäden kommen?
Ja, kann es. Aber vor allem der psychische Schaden, zum Beispiel ein sexueller Übergriff, begleitet die Opfer im Zweifelsfall ein Leben lang.

Wenn man sich nicht sicher ist, ob einem K.-o.-Tropfen verabreicht wurden, was soll man tun?
Ins Spital oder zu einem Arzt gehen, unbedingt! Hier ist auch das Umfeld gefordert. Falscher Scham hilft niemandem. Ärzte urteilen nicht, sondern behandeln.

Wie kann man sich vor K.o.-Tropfen schützen?
Achtsam sein. Man macht Party, trinkt und feiert mit Leuten, die man nicht kennt, oder lässt sein Getränk unbeaufsichtigt stehen. In vielen Ländern ist es selbstverständlich, dass man seinen Drink im Auge behält, beziehungsweise erst gar nicht loslässt, egal wo man hingeht. Die Leute haben eine hohe Achtsamkeit, doch in der Schweiz, oder in den Ferien, ist man da noch etwas nachlässig. Partydrogen sind keine Smarties, das sind Medikamente, Gifte.

Ist man in den Ferien stärker gefährdet?
Meine Antwort ist klar ja. Vor allem an den «klassischen Party-Destinationen des Südens» ist die Konzentration von Drogen und Personen, die damit handeln, massiv höher als in der Schweiz. Kontrollen und Polizei sind rar. Dem muss man sich bewusst sein. Nur weil die neue Bekanntschaft gut aussieht oder freundlich und cool daherkommt und Drinks spendiert, heisst es noch lange nicht, dass diese Person auch unbedenklich ist. Sonne, Strand, Schlafmangel und Alkohol senken die Hemmschwelle, Neues auszuprobieren und blockieren unsere Schutzinstinkte. Deshalb im Zweifelsfall seine Getränke immer selber an der Bar abholen und nie aus der Hand oder den Augen lassen.


Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: mdtcsch

Inselspital

Dieser Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor Universitäres Notfallzentrum Inselspital (Universitätsspital Bern), realisiert.

www.insel.ch

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