Es ist Pilzzeit: Doch Vorsicht vor giftigen Pilzen

In der Regel gelten September und Oktober als Hauptsaison fürs Pilzesammeln. Was im Notfall zu tun ist.


Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor Universitäres Notfallzentrum (Inselspital Bern) weiss, was zu tun ist, wenn man den falschen Pilz gegessen hat.

Herr Exadaktylos, wie äussern sich die Symptome einer Pilzvergiftung?
Es gibt rund 10 000 Pilzarten auf der Welt, von denen bis zu 100 als möglicherweise tödlich eingeschätzt werden. Allerdings ist die Bandbreite der Beschwerden sehr gross: Die meisten Patienten werden am Anfang Magen-Darm-Beschwerden oder Bewusstseinsveränderungen (Krampfanfälle, Halluzinationen oder Bewusstseinsverminderung) oder Herzkreislaufbeschwerden mit Herzrhythmusstörungen, starkes Schwitzen oder Schocksymptome (Zittern, Blässe) bemerken. Aber es gibt noch viele andere Beschwerden bis hin zu akuten oder zeitlich versetzten Organschädigungen – wie zum Beispiel Leber- und Nierenversagen.

Bei welchem Pilz wird es richtig gefährlich?
Hier in der Schweiz und in Zentraleuropa ist es klar der Knollenblätterpilz, auf den zirka 80 bis 90 Prozent der tödlich verlaufenden Vergiftungen entfallen. Dabei reicht schon der Verzehr eines kleinen Teiles des Pilzes, um die schädliche Menge an Gift aufzunehmen. Es kommt durch die Pilzgifte zu einem Leberversagen, was dann zum Tod führt. Im englischsprachigen Raum heisst der Pilz Death Cap (Todeskappe). Das sagt bereits alles. Übrigens vermutet man, dass der Habsburger Kaiser Karl VI. an einer solchen Knollenblätterpilzvergiftung gestorben ist. Er verstarb 10 Tage nachdem er einen Teller Pilze gegessen hatte.

Was sollte man als Betroffener bei den Vergiftungserscheinungen tun?
Nicht mehr weiteressen, auch die anderen Personen vom weiteren Verzehr abhalten. Nicht verzehrte oder noch nicht zubereitete Pilze sollte man sichern. Merken Sie sich die Zeitspanne zwischen Nahrungsaufnahme und Auftreten der Beschwerden. Eine ärztliche Vorstellung ist in jedem Fall bereits bei milden Symptomen empfohlen. Sagen Sie frühzeitig, was Sie gegessen haben und dass Sie einen Zusammenhang mit den Pilzen vermuten. Generell bleiben die Regeln für die Erste Hilfe natürlich geltend: Der Patient sollte beruhigt werden, bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage, bei Atembeschwerden, Herz-Kreislaufbeschwerden und Bewusstlosigkeit sollte die Ambulanz gerufen werden.

Es heisst, dass erbrochene Pilzreste gesichert werden sollen?
In den seltensten Fällen beisst ein Mensch in einen Pilz, hat danach sofort Beschwerden und kann die Pilzreste vorweisen. In der Regel werden mehrere Pilze gesammelt, diese kleingeschnitten, gekocht oder gebraten und dann gekaut und geschluckt. Damit wird eine optische Pilzwiedererkennung unmöglich. Das Erbrochene hingegen kann man zentrifugieren und somit können die kleinsten Einheiten – die Sporen – eventuell durch eine Fachperson unter dem Mikroskop erkannt werden, damit dem Patienten die bestmögliche Hilfe zukommt.

Sind Pilzvergiftungen lebensbedrohlich?
Dazu ein ganz klares Ja: Pilzvergiftungen können lebensbedrohlich sein. Dennoch sollte man sich nicht den Spass am Essen von Pilzen nehmen und vorher einfach gut recherchieren.

In den letzten Jahren kommt es wieder vermehrt zu Pilzvergiftungen, woran liegt das?
Das ist richtig, wir haben dazu auch gerade eine kleine Forschungsarbeit fertiggestellt. Insgesamt ist es schwierig zu sagen, aber ich habe da meine eigene Hypothese: Es ist wieder sehr angesagt, sich mit der Natur zu beschäftigen und Selbstgepflücktes zu konsumieren. Stichwort Urban-Gardening. Gleichzeitig ist aber vermutlich auch viel Fachwissen über Pilze in Vergessenheit geraten. Zu meiner Zeit wurde selbst an Grundschulen die Pilzerkennung regelmässig geübt und es gab sehr viele Pilzberatungsstellen. Heute hat man vielleicht etwas das Gefühl, dass alles aus der Natur gesund und ungefährlich ist. Aber nicht vergessen: Die Natur gibt, die Natur nimmt.

Bei Vergiftungsverdacht sollten Sie einen Arzt oder Tox Info Suisse (Tel. 145, 24h) anrufen.


Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: mdtcsch

Inselspital

Dieser Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor Universitäres Notfallzentrum Inselspital (Universitätsspital Bern), realisiert.

www.insel.ch

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