Bluthochdruck

Interview mit dem Chefarzt


Dr. med. Markus von Gradowski, Chefarzt Medizinische Klinik Spital Zweisimmen, zum Thema Bluthochdruck.

Herr Doktor Markus von Gradowski, was versteht man unter Bluthochdruck?
Unter Bluthochdruck, auch arterielle Hypertonie genannt, versteht man eine chronische Erhöhung des Blutdruckes, dieser beginnt bei oberen (systolischen) Werten von 140 mmHg, bei den unteren (diastolischen) Werten bei 90 mmHg. Als optimal gilt ein Blutdruck unter 120/80 mmHg. Weltweit sind über 1 Mrd. Menschen davon betroffen. Bluthochdruck führt zu zirka 10 Millionen Todesfällen im Jahr. Bei der primären Hypertonie (90 %) findet sich keine bestimmbare Ursache, bei der sekundären Hypertonie (10 %) können Ursachen gefunden und behandelt werden. 

Ab wann sollte ich mir Gedanken um den Bluthochdruck machen?
Prinzipiell sollte bei allen Erwachsenen mit optimalem Blutdruck (120/80 mmHg) mindestens alle 5 Jahre eine Messung im Rahmen von Routineuntersuchungen erfolgen, bei hochnormalen Drücken (ab 130/80 mmHg) jedoch jährlich. Inzwischen weiss man, wie wichtig die regelmässig häusliche Selbstmessung ist, idealerweise am Oberarm. 

Wer ist besonders gefährdet?
Bluthochdruck gilt als bedeutender Risikofaktor kardiovaskulärer Erkrankungen. Sogenannte Risikokalkulatoren helfen bei der Abschätzung des 10-Jahre-Risikos. Als zusätzliche Risiken gelten demnach Rauchen, eine Fettstoffwechselstörung, erhöhter Nüchtern-Blutzucker, Übergewicht, das Lebensalter und eine familiäre Häufung. Wer bereits eine Herz-Kreislauferkrankung hat, sollte besonders auf gute Blutdruckwerte achten. 

Wie bemerke ich einen Bluthochdruck, gibt es Warnzeichen?
Der routinemässigen Blutdruckmessung kommt ein besonders hoher Stellenwert zu, denn die zumeist langjährige Symptomfreiheit verzögert die Erstdiagnose oft um Jahre. Auffällig sind auf jeden Fall morgendliche Kopfschmerzen (besonders am Hinterkopf), Schlafstörungen, Schwindel, Sehstörungen, Ohrensausen, Nervosität, Herzklopfen und Nasenbluten. Bei Brustbeschwerden und Atemnot sollte man rasch eine Notaufnahme aufsuchen oder den Rettungsdienst alarmieren. 

Was sind die Folgen von Bluthochdruck, was macht ihn so gefährlich?
Oft wird der Bluthochdruck erst durch die Folgeschäden entdeckt, es kommt zu Schlaganfällen, zur koronaren Herzkrankheit und Herzinfarkten, zu Erweiterungen und Einrissen der Hauptschlagader, zur Schaufensterkrankheit (pAVK), zudem zur Nierenschwäche und Augenschäden. Akute Blutdruckkrisen (>180/120 mmHg) können zu tödlichen Hirnblutungen, Herzinfarkten und Einrissen der Hauptschlagader führen. 

Was kann ich selbst tun, um den Blutdruck senken?
Das Stichwort heisst Lebensstiländerung, hat aber einen entscheidenden Gegenspieler: Den «inneren Schweinehund». Empfohlen ist eine Kochsalzreduktion (< 5 g/Tag), nur mässiger Alkoholkonsum, eine Gewichtsreduktion (Ziel BMI < 30 kg/m2) sowie eine mediterrane Ernährung (Gemüse, Obst, Fisch, Nüsse, Olivenöl). Wichtig ist eine regelmässige körperliche Ausdaueraktivität (mind. 3 bis 4 Mal pro Woche 30 bis 45 Minuten), auch empfehlen sich Entspannungsmethoden wie autogenes Training oder Yoga zur Stressreduktion. Selbstverständlich sollte man auch andere Risikofaktoren wie das Rauchen, die Zuckerkrankheit und hohe Cholesterinwerte in den Griff bekommen. Sofern machbar, sollte man blutdrucksteigernde Medikamente (bestimmte Schmerzmittel, Kortison und Hormone) vermeiden. 

Wann sollten Medikamente zum Einsatz kommen?
Die Notwendigkeit zur medikamentösen Behandlung hängt vom individuell zu bestimmenden Risiko, bereits vorhandenen Organschäden und nicht zuletzt vom Erfolg der Blutdruckregulation unter Lebensstiländerung ab. Je nach Stadium des Bluthochdruckes ist heute bereits zu Beginn eine Kombinationen aus zwei Blutdruckmedikamenten in Erwägung zu ziehen. 

Müssen die Blutdruck-Medikamente dann lebenslang eingenommen werden?
In den allermeisten Fällen wird die Antwort ja sein, wichtiges Ziel ist die langfristige kontinuierliche Blutdruckeinstellung zur Vermeidung von Organschäden, was nur durch eine regelmässige und lebenslange Einnahme der Medikamente zu erreichen ist. Ein selbstständiges plötzliches Absetzten kann zudem eine lebensgefährliche akute Blutdrucksteigerung provozieren. 

Was kann jemand tun, dessen Blutdruck stressbedingt zu hoch ist, sich sein Stress aber in nächster Zeit auch nicht reduzieren lässt?
Stress ist so alt wie die Menschheit und hilft zu überleben, er aktiviert uns für Flucht oder Kampf. Gleichzeitig führt er aber langfristig zu körperlichen Veränderungen, inklusive Bluthochdruck und aller Folgen. Deshalb sollte man bei Möglichkeit Stress vermeiden und lernen, ihn aktiv zu bewältigen. Nach stressigen Phasen sollten Erholungsphasen folgen, in denen man die Seele baumeln lassen kann, Entspannungsmethoden helfen zusätzlich beim Abbau von Stress. Falls notwendig müssen zumindest zeitweise die Blutdruckmittel angepasst werden. 

Was sind die wichtigsten Präventivmassnahmen?
Die Lebensstiländerung ist nicht nur eine wesentliche Basismassnahme der Therapie, sie ist gleichzeitig auch die wichtigste präventive Strategie, die auch gegen andere Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und zum Teil bösartige Erkrankungen wirksam sein kann – man schlägt also mit einer gesunden und bewussten Lebensweise mehrere Fliegen.


Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: mdtcsch

Dieser Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit Dr. med. Markus von Gradowski, Chefarzt Medizinische Klinik Spital Zweisimmen, realisiert.

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