Adventszeit und Gesundheit

Von zu vielem Essen und Trinken während den Festtagen bis hin zu Stürzen, die durch das Anbringen von Dekorationen entstehen. Worauf Sie achten sollten.


Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor Universitäres Notfallzentrum (Inselspital Bern), zum Thema Gesundheit zur Advents- und Weihnachtszeit.

Bestimmte Festtagsgerichte sind für Menschen mit hohem Cholesterinspiegel und hohem Blutdruck regelrechte Landminen. Ist es wirklich so schädlich, wenn man einmal im Jahr über die Festtage mehr Alkohol trinkt und mehr isst als gewohnt?
Ja, das ist es. Die üppigen Kalorienlandminen auf diverseren Apéros, Weihnachtspartys und den Familienessen während der Weihnachtstage können unsere Organe und den dazugehörigen Stoffwechsel ausserordentlich stressen. Wenn man dazu unter hohem Blutdruck oder Stoffwechselproblemen leidet, wird aus Genuss sehr schnell Ernst oder ein Besuch auf der Notaufnahme. Verschiedene Studien zeigen, dass um die Festtage vermehrt Herzinfarkte, aber auch Magen- und Gallenprobleme auftreten. Erstere nehmen sogar bis 30 % zu.

Ein Schnaps danach zur Verdauung, richtig oder falsch?
Das muss jeder für sich entscheiden, jedoch sollten Personen mit Gallenproblemen aufpassen, da dieser die Galle noch mehr reizt. Hier ist ein starker Pfefferminztee die bessere Wahl. Gallenkoliken klingen meistens wieder ab, das heisst aber nicht, dass das Problem gelöst ist. Deshalb sollte man nach kolikartigen Oberbauchschmerzen (häufig rechts) unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Ihr Tipp für eine gesunde Advents- und Festtagszeit?
Viele denken, dass sie umso mehr zuschlagen können, wenn sie vor den Feiertagen richtig fasten. Stellen sie sich vor, sie planen einen Marathon und trainieren extra wenig, um dann viel Kraft zu haben. Funktioniert nicht. Das bedeutet aber auch nicht, dass man mit Alkohol und üppigem Essen trainieren sollte.

Sondern?
Ich denke, man sollte Mass halten, egal zu welchem Zeitpunkt im Jahr. Klar darf man es sich an den Weihnachtstagen schmecken lassen. Genuss bedeutet nicht Masse, sondern Klasse. Aber Menschen mit Grunderkrankungen sollten besonders auf sich achten. Und Alkohol trinken bis die Leber streikt, ist sicher kein Rezept für die Feiertage. Wie immer gilt für alle: Ausreichend Bewegung und lange Spaziergänge sind empfohlen, vor allem nach üppigen Mahlzeiten. Elektronische Schrittzähler helfen bei der Motivation besonders gut. Ich finde es spannend, dass man auf 100 Schritte nur zirka 6 Kalorien verbraucht. Ein durchschnittliches Weihnachtsessen enthält locker bis zu 3000 Kalorien.

Laut Untersuchungen von Soziologe Michael Mutz steigt in der Woche vor Weihnachten und nach Weihnachten die Zahl der Suizidversuche. Was sagen Sie dazu?
Es gibt einige Studien, die dies zeigen. Weihnachten ist ein klassisches Familienfest. Wenn man eine solche hat, ist es wunderschön. Für Menschen, die einsam, krank oder psychisch unter Druck sind, kann der schönste Monat des Jahres die schwerste Zeit sein. Aber die Gründe sind häufig sehr vielfältig und individuell verschieden. Umso wichtiger ist es deshalb, dass wir all denen, welchen es nicht so gut geht, unser Solidarität und Nächstenliebe zugutekommen lassen.

Nehmen in der Weihnachtszeit auch die Unfälle im Haushalt zu?
Ja, das ist so. Das haben wir auch schon in eigenen Statistiken zeigen können. Vor allem Küchenunfälle, Verbrennungen und Verbrühungen nehmen zu. Stress, Unachtsamkeit und Alkohol spielen dabei eine Rolle. Stürze beim Dekorieren kommen leider auch gehäuft vor.


Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: mdtcsch

Inselspital

Dieser Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor Universitäres Notfallzentrum Inselspital (Universitätsspital Bern), realisiert.

www.insel.ch

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