Kollaborative Mobilität

Statt eine Autofahrt allein zu unternehmen oder hundert Franken für ein Bahnbillett auszugeben, reduziert man die Kosten erheblich und reist in guter Gesellschaft.

Mit einigen Klicks auf die Touch­screens der Smartphones können sich zwei Personen absprechen und für eine Fahrt zusammenspannen. Dies eröffnet ganz neue Möglichkeiten der Mobilität.  

Carsharing

Mein Auto für alle, die mitfahren wollen

In Deutschland und Frankreich hat diese flexible Formel bereits zahlreiche Anhänger gefunden. Die innovativsten Start-ups gehen einen Schritt weiter und bieten die Möglichkeit, das eigene Auto gegen Bezahlung zu vermieten.

Dabei wird auch gleich eine ergänzende Unfallversicherung abgeschlossen, um allfällige Schäden abzudecken. Sie binden ebenfalls Facebook mit ein, damit man sich von seinem Mitfahrer oder Fahrzeugmieter vorab ein Bild machen kann.

Es dürfte nicht mehr lange gehen, bis frei gebliebene Plätze in Fernverkehrsbussen via Smartphone-App an den Mann beziehungsweise an die Frau gebracht werden. Oder ein Automobilist hält an verschiedenen Stationen an, um Passagiere aufzuladen, die vorher via GPS ihren Standort angegeben haben.

Die gängigsten in der Schweiz praktizierten Modelle

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Fahrgemeinschaft

Dies ist die einfachste Form von kollaborativer Mobilität: Arbeitskollegen teilen sich ein Fahrzeug und schliessen sich zu einer Fahrgemeinschaft zusammen. Damit die Kosten gerecht verteilt sind, wird nicht immer dasselbe Fahrzeug benutzt, oder die Mitfahrer bezahlen dem Fahrer einen Beitrag. Mit den modernen Internetplattformen findet man heute Fahrpartner auch ausserhalb seines Freundeskreises, so zum Beispiel auf www.e-carsharing.ch.

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Carsharing mit Flotte

Ein Betreiber kauft eine Fahrzeugflotte und stellt sie seinen Kunden zur Verfügung. Er kommt für die Anschaffungs- und Unterhaltskosten seiner Flotte sowie für Parkplatzmiete oder –kauf (das bedingt grössere Investitionen) auf. Die schönste Erfolgsgeschichte ist die Firma Mobility, die 2012 ihr 25-jähriges Bestehen feiern konnte. Das Luzerner Unternehmen verfügt über rund 102'100 Kunden in der ganzen Schweiz. Mitgliedervorteil und Infos: Mobility

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Peer-to-Peer Carsharing

Dieses System ist in Deutschland und Frankreich bereits etabliert, während es in der in der Schweiz erst in den Kinderschuhen steckt. Dabei borgt man sein Auto gegen Bezahlung aus. Smartphone-Apps bringen Fahrzeugbesitzer und –mieter miteinander in Kontakt und regeln ebenfalls die praktischen Details sowie die Zahlungsmodalitäten. Bei den professionellsten Angeboten wird zudem automatisch eine Unfallversicherung abgeschlossen, um den Besitzer bei durch den Mieter verursachten Schäden abzusichern. Mit diesem System macht der Autobesitzer sein Fahrzeug, das meistens zu wenig genutzt wird, finanziell rentabel und schont die Umwelt. In der Schweiz bietet www.sharoo.com ein Modell dieses Typs. 

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Carpooling für lange Strecken

Dieses Modell ist dabei Fuss zu fassen und bietet die Möglichkeit für Fahrgemeinschaften. Internetplattformen und Smartphone-Apps bilden die Schnittstelle für Streckenangebote und entsprechende Nachfragen. Autolenker und Mitfahrer können sich online verabreden, sich auf einen Preis einigen und die Fahrt gemeinsam antreten. Diese Variante ist besonders praktisch für Fahrten zwischen Agglomerationen, was mit der Bahn sehr teuer ist. Durchschnittlich werden rund zwanzig Franken pro 100 Kilometer verlangt. Der wichtigste Anbieter in der Schweiz ist www.mitfahrgelegenheit.ch.  

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Carpooling, kurze Strecken

In der Stadt gibt es für kurze Distanzen die Möglichkeit, zu Fuss zu gehen, das Velo oder den Bus zu nehmen oder – Tooxme, ein innovatives System, das es möglich macht, via Smartphone-App die Dienste eines Autofahrers in Anspruch zu nehmen. Konkret: Man gibt das gewünschte Fahrziel in der App Tooxme ein und erhält eine Liste von in Frage kommenden Fahrern samt Preis für die Fahrt. Man wählt den gewünschten Fahrer aus – fertig! Die Bezahlung erfolgt am Zielort elektronisch. Das System ist derzeit erst in der Westschweiz verfügbar.

Mehr Infos rund um die Mobilität

Mehr über die Zukunft der Mobilität

  • Die Mobilitätsakademie

    Die Mobilitätsakademie ist gleichzeitig Denkfabrik und Anbieter einer interdisziplinären Plattform für den zukunftsorientierten Mobilitätsdiskurs.

Carsharing

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Ratgeber Verkehr: Damit Car-Sharing nicht zum Albtraum wird

Es tönt verlockend einfach: Ich stelle mein selten benutztes Fahrzeug andern Personen zur Verfügung, die kein Auto haben oder für eine bestimmte Zeit in meiner Gegend ein Auto benötigen. Gleichzeitig wird die Umwelt – und mein Portemonnaie dank Einnahmen – geschont.

Doch halt: Wie steht es mit der Versicherung? Wer trägt die Kosten, wenn das Fahrzeug bei einem Unfall beschädigt wird?

Eine Antwort auf diese Fragen geben die jeweiligen Teilnahmebedingungen. Die Organisatoren eines Auto- Sharings können beispielsweise mit einer Versicherung eine Speziallösung treffen, bei der eine komplette Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung im Mietpreis für das Fahrzeug inbegriffen ist. Diese Spezialversicherung deckt alle Schäden bis auf einen Selbstbehalt für den jeweiligen Lenker.

Es verhält sich hier ähnlich wie bei einer normalen Automiete. Auch ein drohender Bonusverlust infolge eines Schadens kann versichert sein.

Zu beachten gilt, dass Lenker, die etwa alkoholisiert oder bei massiv zu schneller Fahrt einen Unfall bauen, mit einem Regress der Versicherung rechnen müssen.

Heikler sind Car-Sharing-Modelle, die keine Spezialversicherung vorsehen. Heisst es in den Teilnahmebedingungen etwa, «dass immer die Person, die das Auto fährt, gegenüber dem Autobesitzer haftbar ist für Schäden, die sie verursacht oder in ihrer Mietzeit auftreten», ist Vorsicht geboten.

Hier muss man sich als Autobesitzer genau überlegen, wem man sein Auto zur Verfügung stellt, damit das Car-Sharing nicht zum teuren Albtraum verkommt.

Eine Vollkaskoversicherung ist dringend zu empfehlen.

Die Zeitung für Mobilität