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Emmen/Bern, den 1. Februar 2007
Die unsicheren Ölpreise und der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit von Erdöl rückten Treibstoffalternativen ins Zentrum des öffentlichen Interesses. Doch nicht alle Lösungen sind ökologisch und ökonomisch sinnvoll. Eine TCS-Untersuchung zeigt auf, welche Alternativtreibstoffe Zukunft haben. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass auf den herkömmlichen Treibstoff nicht verzichtet werden kann.
Keine Zukunft für Flüssiggas – Erdgas und Biotreibstoffe bleiben Nischenprodukte
Noch bis vor wenigen Jahren beschränkte sich das Treibstoffangebot auf Benzin und Diesel. Mit den neuen auf dem Markt erhältlichen Alternativen stellen sich zwangsläufig Fragen bezüglich Ökonomie, Ökologie, Verfügbarkeit und Marktsituation – sowohl für die Treibstoffe wie auch für die dazugehörenden Fahrzeuge. Nachstehend die Ergebnisse der TCS-Untersuchung.
Erdgas
  • Geringes CO2-Einsparpotenzial. Es resultiert im Vergleich zu Benzin ein Vorteil von 0–20 %. Dies entspricht etwa dem Wert eines modernen Dieselmotors.
  • Hohe Kosten für die Einsparung einer Tonne CO2. (Tankstellenumbau, Zusatzkosten am Auto).
  • Erdgasautos könnten im Flottenmarkt und als Stadtautos weitere Marktanteile gewinnen, werden aber in der Nische bleiben.
Biogas
  • Biogas hat ein grosses ökologisches Potenzial, wenn es aus Bioabfällen hergestellt wird. Dementsprechend sind die CO2-Vermeidungskosten niedriger als bei Erdgas.
  • Biogas als solches kann man nicht tanken. Es wird ins bestehende Erdgasnetz gespiesen.
Flüssiggas LPG
  • Flüssiggas hat in der Schweiz keine Zukunft. Es ist ein Nebenprodukt der Benzinherstellung und erfüllt die Anforderungen an einen Treibstoff der Zukunft nicht.
Biotreibstoffe (Bioethanol E5, E85; Biodiesel B5, B100)
  • In Europa wird das Erdöl-Substitutionspotenzial von Biotreibstoffen auf 5% geschätzt. Biotreibstoffe haben somit nicht das Volumenpotenzial, um erdölbasierte Energieträger ersetzen zu können.
  • Ob Ethanol tiefprozentig (E5, 5% Ethanol) oder hochprozentig (E85, 85% Ethanol) beigemischt wird, spielt ökologisch keine Rolle. Von Bedeutung ist nur die Gesamtmenge des eingesetzten Bioethanols.
  • Der E5-Einsatz ist zwar weniger spektakulär, aber ökonomisch sinnvoller, da die Autos nicht umgerüstet werden müssen. Die Vermeidungskosten pro Tonne CO2 sind somit tiefer als beim E85-Einsatz.
  • Der 100%-Biodiesel (B100) ist nicht kompatibel mit moderner Dieseltechnik und Russfiltern. Er hat somit keine Zukunft.
  • Der Anbau von Raps für Biodiesel steht in Konflikt mit der Nahrungsmittelindustrie. Ausserdem fällt die Ökobilanz von Biodiesel in vielen Untersuchungen eher bescheiden aus.
  • B5 (5% Biodiesel) hat einen ähnlich positiven Effekt wie E5. Die Autos müssen nicht umgerüstet werden.
Schlussfolgerungen
  • Eine brauchbare Beurteilung neuer Treibstoffe kann nur erfolgen, wenn der gesamte Lebenszyklus – von der Produktion über Transport und Aufbereitung bis zur mobilen Anwendung – betrachtet wird. Das Dilemma von neuen Treibstoffen besteht darin, dass sie hinsichtlich entscheidender Kriterien mit den seit über 100 Jahren bewährten und verfeinerten Erdölprodukten in Konkurrenz stehen. Kein anderer Treibstoff hat zur Zeit das Potenzial, mit der Gesamteffizienz von Benzin und Diesel mithalten zu können. Hohe Bereitstellungskosten oder durchzogene Gesamtökobilanzen sind die wichtigsten Gründe dafür. Reine Biotreibstoffe wie Bioethanol oder Biodiesel können im Idealfall zwar CO2-Einsparungen von bis zu 50% erzielen, sie werden aber von der Verfügbarkeit her nicht in der Lage sein, die fossilen Treibstoffe in Zukunft ersetzen zu können.
  • Betrachtet man die Kosten, können die Biotreibstoffproduzenten nicht mit der Mineralölindustrie konkurrieren. Längerfristig dürften die Produktionskosten jedoch sinken.
  • Langfristig macht der Einsatz und die Förderung von einigen der erwähnten Treibstoffalternativen Sinn, auch wenn der Aufwand meist gross und die Kosten hoch sind. Kurz- und mittelfristig dürfte die Förderung von kleineren, leichteren und sparsameren Fahrzeugkonzepten mit herkömmlichem Treibstoff der effizienteste und schnellste Weg sein, die CO2-Emissionen zu senken und die Erdölabhängigkeit zu verringern.
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