Navigationssysteme Test 2011

Navigationsgeräte sind weit verbreitete und praktische Reisebegleiter.

Wir haben neun so genannte PNA (Portable Navigations Assistenten) auf ihre Praxistauglichkeit hin untersucht. Ihre Funktionen werden immer ausgereifter und ihre Bildschirme immer grösser. Letzteres ist nicht in jeder Situation ein Vorteil.

Navigationssysteme im Test

Unterschiede in der Handhabung

Benutzerfreundlich sind Geräte mit einer so genannten Aktivhalterung: Dabei wird die Stromversorgung nicht direkt an den PNA, sondern an dessen Halterung angeschlossen. Bei der Programmierung der Route oder beim Verändern der Einstellungen kann das Gerät dadurch einfach aus der Halterung und in die Hand genommen werden.

Am einfachsten in der Handhabung erwiesen sich die Modelle von Falk und Tomtom, aber auch jene von Becker, Navigon und Garmin (ohne Aktivhalterung) sind einfach und praktisch zu bedienen. Etwas umständlicher sind hingegen die Geräte von a-rival, Medion und Navgear. Bei diesen wurde nicht nur die Halterung beanstandet, sondern auch das separate Verlegen der TMC-Antenne (dient dem Empfang von Verkehrsmeldungen). Bei den meisten Testgeräten ist diese Antenne bereits im Ladekabel zum Zigarettenanzünder integriert. 

Mangelhafte Sprachqualität

Bei den Geräten von a-rival und Navgear gab die etwas scheppernde und blecherne Sprachausgabe Anlass zur Kritik. Zudem brauchen diese beiden durchschnittlich rund eine Minute für den Aufbau des Satellitenkontakts – mehr als die übrigen Testgeräte. Die neuesten Modelle von Garmin und Tomtom stellen die Satellitenverbindung innerhalb von wenigen Sekunden her, was sich beispielsweise bei der Ausfahrt aus einem Parkhaus als sehr praktisch erweisen kann. Schnell sind auch die Geräte von Navigon und Mio.

Zugriff auf aktuelle Verkehrsinformationen

Die beste Information über die aktuelle Verkehrssituation – auch auf Nebenstrassen – liefert das Testgerät von Tomtom. Der entsprechende Live-Service ist während 24 Monaten im Kaufpreis einbegriffen und danach kostenpflichtig. Ebenfalls guten Service bieten die Geräte von Falk, Navigon und Becker mit Navteq-Traffic-Verkehrsmeldungen.

Auch Navteq-Traffic informiert – insbesondere bei Auslandfahrten – mit faktisch kostenpflichtigen Verkehrsmeldungen. Die entsprechenden Lizenzgebühren werden jedoch nicht über jährliche Abo-Gebühren, sondern bereits über den Kaufpreis der Geräte abgegolten. Ein Abonnement für die Aktualisierung des Kartenmaterials ist beim Garmin nüvi 2595 LMT «lebenslänglich» und beim Falk Neo 550 für 24 Monate enthalten. Dazu muss das Gerät über Internet registriert werden. Andere Hersteller bieten beim Kauf eine Gewähr auf neuestes Kartenmaterial. Um dieses herunterladen zu können, muss das PNA – je nach Anbieter - innerhalb von 30 bis 90 Tagen nach dem ersten Satellitenkontakt online registriert werden. 

Vernünftiger Einsatz erhöht die Sicherheit

Neben den komfortablen Funktionalitäten der PNA’s gilt es auch, den Sicherheitsaspekt zu betrachten: Während der Fahrt ausgeführte Manipulationen lenken vom Verkehr ab und erhöhen die Unfallgefahr. Sporadische Blicke auf Bordinstumente und Display sind jedoch zulässig. Die Erfahrung zeigt, dass sich viele Fahrer nach einer kurzen Gewöhnungsphase vornehmlich auf die meist ausreichend präzise Sprachausgabe verlassen. Navigationssysteme erhöhen die Sicherheit bei Fahrten durch eine unbekannte Umgebung, weil sie den Fahrer rechtzeitig auf Spur- und Richtungswechsel hinweisen und ihm somit ermöglichen, sich ausschliesslich auf den Verkehr zu konzentrieren.

Ein grösserer Display alleine bietet hingegen noch keinen Vorteil beim Navigieren: Kartenansicht und Zoomgrösse sind vom Hersteller vorbestimmt. Weil sich die Anzeige mit der gefahrenen Geschwindigkeit verändert, zeigen die Geräte mit grösserem Display in der Regel keinen grösseren Kartenausschnitt. Je nach Diagonalmassen und Positionierung stellt die Grösse eines PNA’s sogar ein Sicherheitsrisiko dar, steigt damit doch die Wahrscheinlichkeit, etwas zu übersehen.

Generelle Infos & Tipps

  • Wer genügend technisches Flair und Motivation aufbringt bis alles funktioniert sowie die Telefonkosten für allfällige Zusatzdienste (z. B. Verkehrs- und Wettermeldungen) im Auge behält, wird der Handynavigation am Ende Positives attestieren.
  • Wenn man lieber nur das Gerät auspacken und losfahren möchte, empfiehlt der TCS ein PNA.
  • Handy-Nutzer mit Navigationssystemen sollten darauf achten, dass das Handy im Auto einen geeigneten und festen Platz in einer «Aktivhalterung» mit Stromversorgung hat. Auch die Fahranweisungen sind über die Lautsprecher einer Freisprecheinrichtung besser zu verstehen, als direkt aus dem Handy.
  • Wer das Handy während der Fahrt in die Hand nimmt um die Anzeige zu wechseln, muss mit einer Strafe rechnen wie wenn er ohne Freisprecheinrichtung telefoniert.
  • Prüfen Sie beim Kauf, wenn möglich ob das Navigationssystem über Lautstärkereserven verfügt und die Buchstaben und Schaltflächen gross genug sind, dass sie mühelos mit dem Finger einzeln «getroffen» werden.
  • Zieleingabe: Bedienungsfreundliche Geräte «denken mit» und vermindern mit jedem angetippten Buchstaben automatisch und rasch die Zahl der in Frage kommenden Ortschaften und Strassennamen.
  • Einige Fachgeschäfte, Autoelektroservice und Garagen bieten nebst Beratung die Möglichkeit ein Demogerät auszuprobieren. Dafür sind billige Sonderangebote dort seltener als bei Warenhäusern, Grossverteilern und im Versandhandel.
  • Je nach dem wo das Auto im Freien abgestellt wird, empfiehlt der TCS die mobilen Navigationssysteme vom Armaturenbrett abzunehmen um sie vor Sonnenlicht und Wärme – und gleichzeitig vor Diebstahl – zu schützen.
  • Das Anbringen des Navigationssystems oder des Handys in der Mitte der Windschutzscheibe ist verboten. Im oberen und unteren Bereich wird es toleriert, wenn die Sicht nicht eingeschränkt wird.
  • Fragen Sie vor dem Kauf, ob die Antenne für den Empfang von TMC-Verkehrsmeldungen im 12 Volt-Ladekabel integriert ist. Sie ersparen sich damit eine «Freileitung» mit Saugnäpfen an der Windschutzscheibe.
  • Bringen Sie keine Geräte im Aufblasbereich der Airbags an.
  • Navigationssysteme zeigen die gefahrene Geschwindigkeit deutlich genauer an als der PW-Tacho. Anhand des Navigationsgerätes kann man ziemlich genau 120 km/h fahren. Bei Autobahnbaustellen ist der Tempomat natürlich auf 80 km/h und vor einem Autobahntunnel auf 100 km/h zu setzen.
  • Anstelle der Befestigung mittels Saugnapf an der Windschutzscheibe sind bei den Herstellern Garmin und Tomtom auch passende Befestigungen mit Antirutschmatte erhältlich. Für Geräte von anderen Herstellern ist eine entsprechende Universalhalterung bei www.pearl.ch erhältlich. Wird das gleiche Navigationsgerät in mehreren Autos benützt, sind solche «Sandsackhalter» praktisch, sofern auch die Form des Armaturenbrettes dafür geeignet ist.
  • Bei preisreduzierten Aktions- oder Auslaufmodellen ist oft das Kartenmaterial veraltet. Erkundigen Sie sich, vor dem Kauf ob neues Kartenmaterial erhältlich ist und wie es aktualisiert werden kann.

Portable Navigations-Assistenten PNA

Bei Neuheiten, wie der Videonavigation werden Bilder einer integrierten Kamera in Echtzeit auf das Display gespielt, und es werden Schilder mit der signalisierten Höchstgeschwindigkeit erkannt. Bei ungünstigen Lichtverhältnissen, und Umgebungskontrasten funktioniert die Schildererkennung jedoch noch nicht immer zuverlässig.

Aufgrund des Fahrverhaltens können einige Navigationssysteme eine Ökobilanz berechnen. Auch eine Kostenübersicht kann ermittelt werden. Dabei werden jedoch die Berücksichtigung von personalisierten Profilen, eine Auswahl von Fahrzeugprofilen sowie der Geografie vermisst.

Einige Navigationssysteme bieten sehr umfangreiche Reiseführerfunktion, die vor allem für Ferienfahrten sehr informativ sind. Andere entwickeln eine Spracheingabe für Adressen und Untermenüpunkte. Die Spracheingabe ist jedoch noch nicht durchgängig verwirklicht.

Die Zeitangaben der Geräte sind in der Regel klar zu optimistisch. Ursache dafür sind die werksseitig hinterlegten Durchschnittsgeschwindigkeiten, für Autobahnen, Haupt- und Nebenstrassen innerorts und ausserorts. So kann es bei der Berechnung der schnellsten Route in der Praxis dazu kommen, dass diese am Ende doch länger dauert als vermutet. Auch mit dem Navigationssystem ist es wichtig genügend Zeit einzuplanen, und auf keinen Fall sollte versucht werden die im Navigationssystem angegebenen kurzen Fahrzeiten zu erreichen.

Als sehr angenehm hat sich in vielen Situationen die Funktion «Text to speech» erwiesen. Fast alle modernen PNA verfügen heute über diese Funktion, bei der das Navigationssystem nebst Anweisungen auch Strassennamen und Ortschaften nennt, zum Beispiel «Nach 700 Metern rechts abbiegen – Richtung München».

Das Navigationssystem kann im parkierten Auto gestohlen werden, wenn man es nicht mit sich trägt. Der Vorteil der Handynavigation liegt auf der Hand. Das Handy ist sowieso immer dabei. Auch als Fussgänger kann man hie und da die Navigationsfunktionen gut gebrauchen.

Handynavigation oft komplex zum Einrichten

Die Schwierigkeiten mit der Handynavigation beginnen bereits mit der Suche nach einer guten Halterung fürs Handy. Die muss sich der Handybesitzer in der Regel selber besorgen. In Haushalten mit mehreren Personen und Autos hat zwar jeder sein eigenes Handy dabei, aber meistens hat jeder ein anderes – eine Ursache weshalb sich viele Nutzer ihren eigenen Kabelsalat basteln.

Was es braucht ist eine einheitliche Steckdose an möglichst vielen Handys, wenigstens vom gleichen Hersteller, für die im Auto benötigten Funktionen wie Stromversorgung, Antenne, Freisprechanlage etc. Damit nimmt die Variantenvielfalt bei den Halterungen wenigstens auf der Handyseite ab.

Wer weiss schon, ob das Betriebssystem seines Handys «Symbian 60», «Windows Mobile» oder anders heisst, und welche Version es ist? Dies gilt es abzuklären, wenn Handy und Navi-Software nicht als Kombination gekauft wurden, und man im Internet etwas Passendes sucht.

Bei einigen Anbietern funktioniert die Navigation erst, nachdem sie über das Internet (PC) oder über das Handy freigeschaltet bzw. bei Nokia mittels Kreditkarte und E-Mail-Adresse bezahlt wurde.

Wenn alles fertig ist, funktioniert die Navigation mit dem Handy durchaus. Wer den Funktionsumfang der PNA's nicht kennt, wird mit der Handynavigation zufrieden sein. Fussgängertauglich ist die Navigation bei Nokia Maps und Navigon MN7. Oft hilft aber auch schon die Kartendarstellung als Stadtplan weiter.

Off-Bord Navigation

Einige navigationsfähige Handys enthalten in der Schweiz eine Software bei der sich das Kartenmaterial nicht auf dem Handy, sondern «Off-Bord» beim Anbieter befindet. Nach einer kostenlosen «Probierzeit» muss für die Navigation bezahlt werden. Nebst Kosten für die Routenberechnung, fallen auch Mobilfunkkosten an z.B. bei jeder neuen Standortanzeige, bei Verlassen der Route infolge eines Fahrfehlers usw. Je häufiger die Off-Bord Navigation genutzt wird, umso teurer wird sie. Die andere Seite: Je weniger die Funktion genutzt wird, umso geringer die Routine, wenn man sie einmal braucht.

Verkehrsmeldungen

In Sachen Verkehrsmeldungen scheint die auf Meldungen im Radio basierte Umsetzung im Moment ausgereizt. Eine Empfehlung von Alternativrouten ist nach wie vor schwierig, weil es bei Unfällen oder Verkehrsüberlastungen auf den naheliegenden Alternativrouten oft schon nach kurzer Zeit ebenfalls nur noch sehr langsam vorwärts geht.

Einen neuen Weg beschreitet Tomtom mit den kostenpflichtigen Live-Diensten über Mobilfunk. Andere Anbieter stehen ebenfalls in den Startlöchern. Entsprechend der, in unserem oft hektischen Zeitalter, geltenden Regel «Zeit ist Geld», ist dieser Markt wahrscheinlich zukunftsträchtig. Dies vor allem, wenn damit vermehrt auch Ereignisse abseits der Hauptverkehrsachsen erfasst werden können, weiträumige Umfahrungsempfehlungen rechtzeitig angezeigt werden, und wenn solche Empfehlungen rechtzeitig wieder korrigiert werden, falls ein bestehender Engpass behoben ist.